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AirSculpture: Fjord Transit

Stilrichtung: Berliner Schule

Neu Harmony 012 (1999)

Musiker: Adrian Beasly, John Christian und Peter Ruczynski (electronics)

"Unashamedly influenced by Tangerine Dream circa ´74 - ´79" ist auf dem Innencover ihres Debut-Albums "Impossible Geometries" aus dem Jahre ´95 zu lesen. Beeinflußt von T.D., das ist sicher richtig, aber schamlos? Dieses Prädikat, ob nun als Kompliment gemeint oder nicht, wäre für Gruppen, wie Radio Massacre International oder Redshift, die zusammen mit AirSculpture seit Mitte der Neunziger die "Berliner Schule" der alten Schule wieder aufleben lassen, mit Sicherheit zutreffender.
Denn diese beiden Gruppen haben es verstanden nicht nur viele typische Stilelemente ihrer Vorbilder wirkungsvoller in ihre Musik einzubinden als die Kollegen von AirSculpture, sondern es gelingt ihnen auch mit Ideenvielfalt und Freude am Experiment ihre musikalischen Möglichkeiten einfallsreich und originell auszuloten. Das dabei für den Konsumenten hin und wieder wenig Erfreuliches herauskommt, ist verständlich und liegt in der Natur des Kreierens, gehört aber zu den wichtigen Gemeinsamkeiten mit T.D., die auch nie stehen geblieben sind und sich mit jeder Veröffentlichung weiterentwickelt haben, auch wenn dies vielen Fans der 70er-Ära später in den Achtzigern und Neunzigern weniger gefallen hat.
AirSculpture haben sich von dieser Eigenschaft bisher nicht anstecken lassen. "Zum Glück" werden Einige sagen, doch ein Fortkommen in der eigenen Arbeit muß keinesfalls gleich bedeuten, den eigenen, vielleicht sogar unverkennbaren Stil zu ändern, sondern seinem Publikum ein gewisses Maß an Kreativität und Originalität zu bieten, anstatt immer wieder die gleichen abgedroschenen Muster vorzulegen.
"Fjord Transit", das fünfte Album der drei Engländer Adrian Beasly, John Christian und Peter Ruczynski ist dann auch alles andere als ein Meilenstein im Schaffen von AirSculpture.
Das Material ist ein Live-Mitschnitt vom Eurosonic-Festival in Valö/Schweden im Juli diesen Jahres und besteht aus drei langen Stücken. Das Titelstück beginnt, wie sollte es anders sein, mit einem langen Flächen-Intro und geht nach ca. 15 Min. in den Sequenzerteil über. Erwartungsgemäß gelingt es den drei Musikern wieder nicht, den spannenden Ansatz über eine längere Strecke konsequent zu halten geschweige denn zu steigern, einen vernünftigen Höhepunkt zu setzen und ihre Darbietung schließlich in angemessener Weise ausklingen zu lassen.
Stattdessen werden die ohnehin nur mäßig mitreißenden Sequenzerläufe mit den immer gleichen Synthie-Improvisationen überlagert und schließlich erdrückt, so das einem gegen Ende der hoffnungsvolle Gedanke beschleicht, beim nächsten Titel müsse es doch besser werden. Wird es aber nicht - "Traditional Folk Music" ist mindestens genauso belanglos, wie das Anfangsstück und auch der leicht groovende Rhythmus von "Gloria Mundi" verpufft nach halber Spielzeit irgendwo im Nichts.
AirSculpture betonen immer wieder gern, daß ihre Musik ausschließlich spontan und aus dem Bauch heraus entsteht. Ein fataler Irrglaube, denn mit einem beinahe schon dogmatischen Festhalten an rein improvisierten Klängen entsteht noch lange kein überragendes und künstlerisch wertvolles Werk. Natürlich haben auch Improvisationen ihren Reiz, aber warum daraus eine Lebensaufgabe machen, wenn doch nur Mittelmäßigkeit dabei herauskommt? Ich bin der festen Meinung, daß ein qualitativ hochwertiges Stück Musik, zumindest streckenweise und in wesentlichen Elementen, kompositorisch erarbeitet werden muß. Intelligenter Aufbau und Liebe zum Detail können nur in den seltensten Fällen spontan entstehen. Sicher auch ein Grund dafür, weshalb sich T.D. seit Anfang der Achtziger auf überwiegend einstudierte Arrangements für ihre Auftritte festgelegt haben. Denn was hat das Publikum davon, wenn zwar jedes Konzert anders ist, aber nur in vielleicht ein von zehn Fällen als wirklich gelungen bezeichnet werden kann?
So auch beim E-Live-Festival am 09.10. diesen Jahres in Nijmegen, auf dem AirSculpture ebenfalls live zu erleben waren und wo die Gruppe eher bemüht war ihrem Image von den "3 lustigen Kerlchen auf der Bühne" gerecht zu werden, als den Zuhörern ein eindrucksvolles Hörerlebnis zu bieten, was viele Besucher dann auch einigermaßen genervt mit dem vorzeitigen Verlassen des Konzertsaals quittierten.
Ein Konzert, das zu keiner Minute richtig fesseln konnte und ohne wirkliche Akzente oder besonderem qualitativen Anspruch abgewickelt wurde. Es reicht aber auch einfach irgendwann nicht mehr, nur den Sequenzer einzustellen und mit gequälten sowie altbekannten Sound-Mustern überzubügeln.
Beasly, Christian und Ruczynski sollten sich langsam mit dem Gedanken anfreunden, daß Improvisation und Improvisationskunst immer noch zwei unterschiedliche Begriffe sind und bei weitem nicht das Maß aller Dinge, sonst klingen ihre auf CD verewigten Konzerte in 25 Jahren immer noch so enttäuschend wie "Fjord Transit".
Stephan Behn (15.11.1999)

Tracklist:

Fjord Transit (31.45)
Traditional Folk Music (16.24)
Gloria Mundi (21.47)

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