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"Unashamedly
influenced by Tangerine Dream circa ´74 - ´79"
ist auf dem Innencover ihres Debut-Albums "Impossible
Geometries" aus dem Jahre ´95 zu lesen.
Beeinflußt von T.D., das ist sicher richtig, aber
schamlos? Dieses Prädikat, ob nun als Kompliment
gemeint oder nicht, wäre für Gruppen, wie Radio
Massacre International oder Redshift, die zusammen mit
AirSculpture seit Mitte der Neunziger die "Berliner
Schule" der alten Schule wieder aufleben lassen,
mit Sicherheit zutreffender.
Denn diese beiden Gruppen haben es verstanden nicht nur
viele typische Stilelemente ihrer Vorbilder
wirkungsvoller in ihre Musik einzubinden als die
Kollegen von AirSculpture, sondern es gelingt ihnen auch
mit Ideenvielfalt und Freude am Experiment ihre
musikalischen Möglichkeiten einfallsreich und originell
auszuloten. Das dabei für den Konsumenten hin und
wieder wenig Erfreuliches herauskommt, ist verständlich
und liegt in der Natur des Kreierens, gehört aber zu
den wichtigen Gemeinsamkeiten mit T.D., die auch nie
stehen geblieben sind und sich mit jeder
Veröffentlichung weiterentwickelt haben, auch wenn dies
vielen Fans der 70er-Ära später in den Achtzigern und
Neunzigern weniger gefallen hat.
AirSculpture haben sich von dieser Eigenschaft bisher
nicht anstecken lassen. "Zum Glück" werden
Einige sagen, doch ein Fortkommen in der eigenen Arbeit
muß keinesfalls gleich bedeuten, den eigenen,
vielleicht sogar unverkennbaren Stil zu ändern, sondern
seinem Publikum ein gewisses Maß an Kreativität und
Originalität zu bieten, anstatt immer wieder die
gleichen abgedroschenen Muster vorzulegen.
"Fjord Transit", das fünfte Album der drei
Engländer Adrian Beasly, John Christian und Peter
Ruczynski ist dann auch alles andere als ein Meilenstein
im Schaffen von AirSculpture.
Das Material ist ein Live-Mitschnitt vom
Eurosonic-Festival in Valö/Schweden im Juli diesen
Jahres und besteht aus drei langen Stücken. Das
Titelstück beginnt, wie sollte es anders sein, mit
einem langen Flächen-Intro und geht nach ca. 15 Min. in
den Sequenzerteil über. Erwartungsgemäß gelingt es
den drei Musikern wieder nicht, den spannenden Ansatz
über eine längere Strecke konsequent zu halten
geschweige denn zu steigern, einen vernünftigen
Höhepunkt zu setzen und ihre Darbietung schließlich in
angemessener Weise ausklingen zu lassen.
Stattdessen werden die ohnehin nur mäßig mitreißenden
Sequenzerläufe mit den immer gleichen
Synthie-Improvisationen überlagert und schließlich
erdrückt, so das einem gegen Ende der hoffnungsvolle
Gedanke beschleicht, beim nächsten Titel müsse es doch
besser werden. Wird es aber nicht - "Traditional
Folk Music" ist mindestens genauso belanglos, wie
das Anfangsstück und auch der leicht groovende Rhythmus
von "Gloria Mundi" verpufft nach halber
Spielzeit irgendwo im Nichts.
AirSculpture betonen immer wieder gern, daß ihre Musik
ausschließlich spontan und aus dem Bauch heraus
entsteht. Ein fataler Irrglaube, denn mit einem beinahe
schon dogmatischen Festhalten an rein improvisierten
Klängen entsteht noch lange kein überragendes und
künstlerisch wertvolles Werk. Natürlich haben auch
Improvisationen ihren Reiz, aber warum daraus eine
Lebensaufgabe machen, wenn doch nur Mittelmäßigkeit
dabei herauskommt? Ich bin der festen Meinung, daß ein
qualitativ hochwertiges Stück Musik, zumindest
streckenweise und in wesentlichen Elementen,
kompositorisch erarbeitet werden muß. Intelligenter
Aufbau und Liebe zum Detail können nur in den seltensten
Fällen spontan entstehen. Sicher auch ein Grund dafür,
weshalb sich T.D. seit Anfang der Achtziger auf
überwiegend einstudierte Arrangements für ihre
Auftritte festgelegt haben. Denn was hat das Publikum
davon, wenn zwar jedes Konzert anders ist, aber nur in
vielleicht ein von zehn Fällen als wirklich gelungen
bezeichnet werden kann?
So auch beim E-Live-Festival am 09.10. diesen Jahres in
Nijmegen, auf dem AirSculpture ebenfalls live zu erleben
waren und wo die Gruppe eher bemüht war ihrem Image von
den "3 lustigen Kerlchen auf der Bühne"
gerecht zu werden, als den Zuhörern ein eindrucksvolles
Hörerlebnis zu bieten, was viele Besucher dann auch
einigermaßen genervt mit dem vorzeitigen Verlassen des
Konzertsaals quittierten.
Ein Konzert, das zu keiner Minute richtig fesseln konnte
und ohne wirkliche Akzente oder besonderem qualitativen
Anspruch abgewickelt wurde. Es reicht aber auch einfach
irgendwann nicht mehr, nur den Sequenzer einzustellen
und mit gequälten sowie altbekannten Sound-Mustern
überzubügeln.
Beasly, Christian und Ruczynski sollten sich langsam mit
dem Gedanken anfreunden, daß Improvisation und
Improvisationskunst immer noch zwei unterschiedliche
Begriffe sind und bei weitem nicht das Maß aller Dinge,
sonst klingen ihre auf CD verewigten Konzerte in 25
Jahren immer noch so enttäuschend wie "Fjord
Transit".
Stephan Behn (15.11.1999)
Tracklist:
Fjord Transit
(31.45)
Traditional Folk Music (16.24)
Gloria Mundi (21.47) |