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Arcane: Gather Darkness / Future Wreck
 
Stilrichtung: 80er-Jahre-Elektronik im Stil von Tangerine Dream

Neu Harmony, NH010 (1999)
„Gather Darkness“ und „Future Wreck“ sind zwei herausragende Alben einer Gruppe, die bei Fortbestand und weiteren Produktionen zunehmend an Bedeutung gewinnwen wird. Ihre Position als Interpreten erstklassiger Elektronik werden sie somit weiter festigen können, um sich dann früher oder später in den CD-Regalen eines jeden Elektronik-Liebhabers zu etablieren.
Beide Platten bieten Erstaunliches und klingen doch wohlvertraut, denn kein Vergleich liegt näher als der mit Tangerine Dream, den Urvätern der Elektronik schlechthin.
Doch trotz aller Verwandtschaft, degradieren sich Arcane mit keiner Note zu einer banalen Imitation ihrer musikalischen Vorbilder. Ganz im Gegenteil - was die beiden Musiker in ihren Kompositionen zu bieten haben, ist die gelungene Symbiose aus Anleihen der Berliner-Schule und den charakteristischen Stilmitteln aus Alben von T.D. wie „White Eagle“, „Logos“, „Hyperborea“ oder „Poland“. So wie Arcane heute, hätten Tangerine Dream eigentlich bei konsequenter Weiterentwicklung ihres 70er-Jahre-Stils in den 80ern klingen müssen. Also der bewußte Zeitraum, in dem Chris Franke noch für eine ausreichende Sensibilisierung in der Musik von T.D. sorgte und durch das spätere Hinzutreten von Johannes Schmölling stilprägende Akzente in der Zeit zwischen 1980 und `85 gesetzt wurden.
Rob Essers hatte vor 6 Jahren mit seinem Album „Raincolors“ und dem späteren Nachfolgewerk „A Lizards Walk“ ja schon einmal vorgemacht, wie der 80er-Jahre-Stil von T.D. interpretiert werden kann, ohne dabei auf einen eigenständigen Charakter verzichten zu müssen.
Arcane schließen nun nahtlos an diese respektable Leistung an, wobei unter verstärkter Einbindung ausgeklügelter sowie abwechslungsreicher Berliner-Schule-Elemente eindeutig eine Konzentration auf längere Kompositionen gelegt wurde.
Bei „Gather Darkness“ verwundert zunächst das morbide Cover auf dem die Verkörperung dunkler Mächte dargestellt wird. Eine etwas unkonventionelle Illustration, die auch einer Platte von Motorhead oder Iron Maiden zur Ehre gereicht hätte und nicht so recht zum akustischen Inhalt passen will. Denn dieser beschert dem Hörer phantasievoll gesponnene Elektronik in Vollendung.
Die Titel bewegen sich in ihrer Länge zwischen 10 und 15 Minuten und beginnen jeweils mit einem ruhigen, traditionell in analogen Klangfarben gehaltenen jedoch knappem Intro als Fundament und Einstimmung für den perfekt ausgearbeiteten Hauptteil.
Kristallklare weich ausgerundete Sequenzerläufe, abgestimmt mit feinsinnig rhytmischen Arrangements und ausgefeilten sowie prägnant gesetzten Melodiebögen. Die Stücke überzeugen in ihrer Instrumentierung durch einen klugen Aufbau und zeigen ein feines Gespür für spannungsvolle Steigerung ohne einen überfrachteten Eindruck zu hinterlassen.
Ideenvoll und markant gesetzte Effekte verleihen der Musik zusätzlich eine spannende Dynamik und geben den Stücken den letzten Schliff.
Während sich „Gather Darkness“, noch losgelöst von allzu deutlichen Anspielungen, als eigenständiges Album versteht, ist in „Future Wreck eine eindeutige Hommage an Tangerine Dream zu erkennen. Eine Huldigung, die nicht als verklärte Nachahmung zu verstehen ist, sondern als konstruktive Auseinandersetzung mit dem geschätzten Vorbild bei gleichzeitiger Reflexion auf die eigene kompositorische Arbeit. Eine huldvolle Annäherung wird bereits in der Cover-Gestaltung erkennbar. Die Rückseite zeigt eine in Schwarz-Weiß gehaltene Abbildung von 3 Musikern, die in Aussehen und Ausdruck unwillkürlich Erinnerungen an „Sorcerer“ aufleben lassen, während das Innen-Cover Verwandtschaftliches zum Album „Logos“ erkennen läßt.
Überhaupt kommen „Logos“ und auch „Poland“ in der Umsetzung musikalischer Ideen bei Arcane eine ganz zentrale Rolle zu, ohne das dieses an irgend einer Stelle ganz bewußt nachzuvollziehen wäre.
„Future Wreck“ beginnt mit gleichnamigem Titel und orientiert sich in den ersten Minuten noch an den Ursprüngen elektronischer Musik (so um die Zeit von „Phädra“), um dann überraschenderweise mit leise elegantem Übergang in die um 10 Jahre jüngere Ära von T.D. einzutauchen.
Wie auch schon beim Debüt findet sich in allen Stücken eine adäquate Adaption T.D.-eigener Klänge, in denen noch der Geist der bereits genannten Werke mitschwingt, allerdings genügend Raum belassen wurde, um ein ausreichendes Potential an Eigenständigkeit zu entfalten.
Somit entführen Arcane mit „Gather Darkness“ und insbesondere „Future Wreck“ zu einer nostalgischen Zeitreise ohne sich selbst zu verleugnen und verhelfen zusammen mit Musikern wie Rob Essers dem 80er-Jahre-Sound von Tangerine Dream zu einer ungeahnten Renaissance.
Bei aller Hochachtung für diese tadellose Leistung gibt es jedoch noch eine Kleinigkeit zu bemängeln. Wieder einmal wurde mit Informationen für den Hörer gegeizt. Auf „Future Wreck“ werden noch nicht einmal mehr die Musiker namentlich erwähnt. Ein vollkommen unnötiges Ärgernis, das einen leicht getrübten Eindruck hinterläßt. Absolut unverständlich, daß die Künstler sich hier selbst als No-Name-Produkt verkaufen.
Läßt man diese kleine Ungereimtheit jedoch einmal außer Acht, so steht einwandfrei fest, daß wir es bei Arcane mit einer wichtigen Band zu tun haben, die unbedingt von den Organisatoren der bekannten EM-Festivals zu einer der nächsten Veranstaltungen eingeladen werden sollte.
Stephan Behn (29.03.2000)

  Weitere empfehlenswerte CDs von Arcane:
„Alterstill“ (2001)

Tracklist:

Gather Darkness

Dystopian Fictions (16.09)
Gather Darkness (15.48)
Flight From Time One (14.59)
Requiem (12.14)
Time Will Run Back (09.31)


Future Wreck

Future Wreck (21.31)
The Plastic Eaters (12.38)
The Visible Empty Man (18.44)
Planet On The Blind (08.51)

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