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Pete Namlook & Wolfgang Spyra: Virtual Vices IV

Stilrichtung: moderne, zeitgenössische Elektronik mit verhaltenen Einflüssen aus unterschiedlichen Musikrichtungen

PK 08/165 (2002), Fax, +49-69/450464

Musiker: Pete Namlook (electronics, gt.), Wolfram Spyra (electronics)

Dass Masse nicht gleich Klasse ist, hat Fax-Label-Chef Pete Namlook mit seinen eigenen unzähligen Veröffentlichungen ja schon hinlänglich unter Beweis gestellt, im Fall der Virtual-Vice-Serie mit Wolfram Spyra scheinen sich allerdings Qualität und Produktionsfreude nicht aneinander zu widersprechen. Folge 4 ist nicht nur ihr ausgeglichenstes, sondern auch (und vielleicht gerade deswegen) ihr bislang bestes Werk. Beide Musiker präsentieren sich in einem sehr abgestimmten Dialog zueinander und erfüllen auf ihrem neuesten Album hohe Ansprüche an Virtuosität und Ästhetik.
Waren Virtual Vices I – III schon von überdurchschnittlicher Güte, so liegt die überragende Stärke dieser CD in den ersten 4 Stücken, die mit jeweils gut 11 Minuten nicht nur gleich lang sind, sondern auch stilistisch in einem sehr engen Kontext zueinander stehen. Der Einstiegs-Track “Femto” lehnt sich atmosphärisch dicht an Spyra´s wegweisende Alben Sferics und Etherlands und hinterläßt mit Verklingen der letzten Note einen Eindruck von Vollkommenheit. Feinnervige Melodielinien korrespondieren mit klug gewählten Hintergrundsounds und wurden mit originell arrangierten Rhythmen diffizil verflochten. Der zweite Titel “Sat Mute” reagiert thematisch sehr intelligent auf das erste Stück, besitzt aber noch ein wenig mehr Drive und läßt auch deutlichere Spuren zum Jazz erkennen. Dann folgt “We Don´t Mind The Rain”, welches auf sehr ansprechende Weise beweist, dass beide Künstler auch das Metier des Rhythm ´n´ Blues beherrschen, was ihrer Musik sehr durchdringende und pfiffige Akzente verleiht. “Sons And Daughters” schließlich setzt die eingeschlagene Richtung des Vorgängertitels in gemäßigter Haltung fort, wobei bei beiden Titeln das mitreißende aber unaufgeregte und dezent im Hintergrund gehaltene Gitarrenspiel von Pete Namlook hervorgehoben werden muß, mit dem schon einige Kompositionen auf den ersten drei Alben entschieden aufgewertet wurden.
Leider werden Namlook und Spyra einfach nicht müde auf ihren Werken immer wieder einen ausgedehnten Ambient-Titel zu integrieren. Auf Virtual Vices I – III war dies als ein Teil des heterogenen Konzeptes durchaus nachzuvollziehen, doch hier wirkt das 17-minütige “Philomela Nocturne” am Schluß der CD wie ein störender Fremdkörper. Zu engmaschig sind die ersten 4 Stücke miteinander verstrickt, als dass diese Aufnahme noch eine Bereicherung sein könnte. Mit Hinblick auf einen unverfälschten Eindruck hätte es sich sogar als ratsamer erwiesen, ganz auf dieses Relikt improvisierten Klangdesigns zu verzichten. An LP-Verhältnissen gemessen, wären dann rund 45 Minuten Spieldauer immer noch ausreichend gewesen.
Auch ist die Wahl der rhythmischen Elemente manchmal etwas spitz und scharfkantig ausgefallen und die Drums hätten ein wenig mehr Fülle verdient. Doch hiervon abgesehen sind Namlook und Spyra auf Virtual Vices IV vier Kabinettstückchen gelungen, in denen sie mit innovativem Gespür und Freigeist konventionelle Strukturen aufgegriffen und in eine moderne Elektronik-Sprache eingebunden haben. Eine maßstabsetzende Leistung in der Chill Out- und Freestyle-Branche, was die beiden Musiker als begabte Erneuerer auszeichnet. Stephan Behn (21.11.2002)

Tracklist:

Femto (11.50)
Sat Mute (11.26)
We Don´t Mind The Rain (11.04)
Sons And Daughters (11.22)
Philomela Nocturne (17.10)

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