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Auf
gleicher Stufe mit dem Konzert von Steve Roach und Vidna
Obmana war der Auftritt von Ian Boddy, Markus Reuter und
Nigel Mullaney das herausragende Ereignis auf dem
E-Live-Festival am 10.09.2000 in Eindhoven/Holland. Als
wichtiges Dokument zeitgenössischer Elektronik hat man
sich daher zurecht entschieden ihren richtungsweisenden
Beitrag auf CD zu verewigen, zumal ein Konzert in dieser
Konstellation eher Seltenheitswert haben dürfte.
Als kontaktfreudiger Musiker und Hauptinitiator des
DiN-Labels ist es Boddy gelungen der Elektronik-Branche
2 Künstler zuzuführen, die eigentlich in anderen
Kreisen beheimatet sind. Zeugnisse dieser fruchtbaren
Kollaborationen sind die bisherigen DiN-Veröffentlichungen
Nr. 2 (Boddy / Reuter), Nr. 4 (Boddy / Mullaney aka Dub
Atomica) und Nr. 6 (Reuter / Wöstheinrich aka
Centrozoon). Auf „Triptych“ sind nun die jeweiligen
Spezialitäten der 3 Akteure auf bemerkenswerte Weise
miteinander vereint, was das Bild über ihr vielseitiges
Können weiter vervollständigt und den Ruf DiN´s als
innovative Ideen-Schmiede zunehmend festigt.
Ihr Programm ist in der ungekürzten Fassung zu hören
und besteht insgesamt aus 6 längeren Titeln, wovon 3 zu
einem zusammenhängenden Stück verschmolzen wurden (Triptych
Part 1-3).
In der rhythmischen Ausgestaltung bewegen sich die
Aufnahmen sehr nah an den gemeinsamen Arbeiten von Boddy
und Mullaney bzw. ihrem Projekt Dub Atomica, wobei sich
Mullaney wieder einmal maßgeblich in seinem Stil
durchsetzt und mit seinen Samples und Scratch-Effekten
der Musik die markante Dynamik und das charismatische
Profil verleiht. In Verknüpfung mit Boddy´s atmosphärischer
Ambient-Kulisse und den spröden Gitarren-Klängen von
Markus Reuter werden so in einem grenzüberschreitenden
Prozeß die erstaunlichen Möglichkeiten auf dem
Elektronik-Sektor auf experimentell kreative Weise
wirkungsvoll ausgelotet.
Als eindrucksvollstes Beispiel sei hier vor allem das
18-minütige „Mystertronic“ erwähnt. Nach einer
etwas befremdlich wirkenden, spannungsgeladenen
Einleitung ertönt nach ca. 5 ½ Minuten ein erdig
satter, vertrackt groovender Beat, der von Boddy mit
einem genial effektvollen Solo überspannt wird. In
dieser Kombination erzeugen die Drei eine mitreißend
energiegeladene Stimmung, die nur langsam, eher
widerwillig abebbt, um das Publikum dann am Schluß
wieder sanft auf den Boden abzusetzen.
Umfassend betrachtet operieren die Klang-Schöpfer um
Ian Boddy in einer eigenwillig progressiven Richtung,
die jedoch keinesfalls als stressbeladen oder gewöhnungsbedürftig
eingestuft werden kann, sondern als unverbraucht und
wegweisend. Die etwas konträr anmutenden, in sich
verschränkten Sound-Figuren geben ihrer Musik klare
Konturen und eine hohe Plastizität. Sie dürfen daher
zurecht einen avantgardistischen Anspruch für sich
erheben, was sie aufgrund ihrer gut anzuhörenden
Ergebnisse aber nicht zu exzentrischen Künstlern einer
intellektuellen Minderheit macht.
Boddy´s Mut, Neugier, Aufgeschlossenheit und nicht
zuletzt seinem Können ist es zu verdanken, dass der
Elektronik-Szene gerade in den letzten Jahren verstärkt
neue Impulse zugeführt werden konnten. Obwohl
„erst“ seit 1980 im Geschäft, hat er damit auf dem
Gebiet der EM mittlerweile den gleichen Stellenwert
erreicht wie Klaus Schulze. Stephan Behn (05.05.2001)
Tracklist:
Sienna Daze (14.38)
Mystertronic
(18.10)
Triptych: First Image (08.20)
Triptych: Second Transmission (11.47)
Triptych: Final View (05.18)
Ionosphere (11.30)
Weitere empfehlenswerte CDs mit Ian Boddy:
Ian
Boddy & Markus Reuter: Distant Rituals (1999)
Ian Boddy & Chris Carter: Caged (2000)
Dub Atomica (Ian Boddy & Nigel Mullaney: Autonomic
(1999)
Ian Boddy / Ron Boots / Harold van der Heijden: Phase 3
(1997)
Ian Boddy: Box Of Secrets (1999)
Ian Boddy: Shrouded (2001)
ARC (Ian Boddy & Marc Shreeve): Radio Sputnik (2000)
Ian Boddy & Robert Rich: Outpost (2001)
Ian Boddy: Aurora (2002)
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