Zur Startseite

Boddy, Reuter, Mullaney: Triptych

Stilrichtung: moderne, rhythmusbetonte Elektronik mit Ambient-Einflüssen

DiN 9 (2001)

Musiker:: Ian Boddy (electronics), Markus Reuter (gt), Nigel Mullaney (electronics, turntables)

Auf gleicher Stufe mit dem Konzert von Steve Roach und Vidna Obmana war der Auftritt von Ian Boddy, Markus Reuter und Nigel Mullaney das herausragende Ereignis auf dem E-Live-Festival am 10.09.2000 in Eindhoven/Holland. Als wichtiges Dokument zeitgenössischer Elektronik hat man sich daher zurecht entschieden ihren richtungsweisenden Beitrag auf CD zu verewigen, zumal ein Konzert in dieser Konstellation eher Seltenheitswert haben dürfte.
Als kontaktfreudiger Musiker und Hauptinitiator des DiN-Labels ist es Boddy gelungen der Elektronik-Branche 2 Künstler zuzuführen, die eigentlich in anderen Kreisen beheimatet sind. Zeugnisse dieser fruchtbaren Kollaborationen sind die bisherigen DiN-Veröffentlichungen Nr. 2 (Boddy / Reuter), Nr. 4 (Boddy / Mullaney aka Dub Atomica) und Nr. 6 (Reuter / Wöstheinrich aka Centrozoon). Auf „Triptych“ sind nun die jeweiligen Spezialitäten der 3 Akteure auf bemerkenswerte Weise miteinander vereint, was das Bild über ihr vielseitiges Können weiter vervollständigt und den Ruf DiN´s als innovative Ideen-Schmiede zunehmend festigt.
Ihr Programm ist in der ungekürzten Fassung zu hören und besteht insgesamt aus 6 längeren Titeln, wovon 3 zu einem zusammenhängenden Stück verschmolzen wurden (Triptych Part 1-3).
In der rhythmischen Ausgestaltung bewegen sich die Aufnahmen sehr nah an den gemeinsamen Arbeiten von Boddy und Mullaney bzw. ihrem Projekt Dub Atomica, wobei sich Mullaney wieder einmal maßgeblich in seinem Stil durchsetzt und mit seinen Samples und Scratch-Effekten der Musik die markante Dynamik und das charismatische Profil verleiht. In Verknüpfung mit Boddy´s atmosphärischer Ambient-Kulisse und den spröden Gitarren-Klängen von Markus Reuter werden so in einem grenzüberschreitenden Prozeß die erstaunlichen Möglichkeiten auf dem Elektronik-Sektor auf experimentell kreative Weise wirkungsvoll ausgelotet.
Als eindrucksvollstes Beispiel sei hier vor allem das 18-minütige „Mystertronic“ erwähnt. Nach einer etwas befremdlich wirkenden, spannungsgeladenen Einleitung ertönt nach ca. 5 ½ Minuten ein erdig satter, vertrackt groovender Beat, der von Boddy mit einem genial effektvollen Solo überspannt wird. In dieser Kombination erzeugen die Drei eine mitreißend energiegeladene Stimmung, die nur langsam, eher widerwillig abebbt, um das Publikum dann am Schluß wieder sanft auf den Boden abzusetzen.
Umfassend betrachtet operieren die Klang-Schöpfer um Ian Boddy in einer eigenwillig progressiven Richtung, die jedoch keinesfalls als stressbeladen oder gewöhnungsbedürftig eingestuft werden kann, sondern als unverbraucht und wegweisend. Die etwas konträr anmutenden, in sich verschränkten Sound-Figuren geben ihrer Musik klare Konturen und eine hohe Plastizität. Sie dürfen daher zurecht einen avantgardistischen Anspruch für sich erheben, was sie aufgrund ihrer gut anzuhörenden Ergebnisse aber nicht zu exzentrischen Künstlern einer intellektuellen Minderheit macht.
Boddy´s Mut, Neugier, Aufgeschlossenheit und nicht zuletzt seinem Können ist es zu verdanken, dass der Elektronik-Szene gerade in den letzten Jahren verstärkt neue Impulse zugeführt werden konnten. Obwohl „erst“ seit 1980 im Geschäft, hat er damit auf dem Gebiet der EM mittlerweile den gleichen Stellenwert erreicht wie Klaus Schulze. Stephan Behn (05.05.2001)

Tracklist:

Sienna Daze (14.38)
Mystertronic (18.10)
Triptych: First Image (08.20)
Triptych: Second Transmission (11.47)
Triptych: Final View (05.18)
Ionosphere (11.30)

Weitere empfehlenswerte CDs mit Ian Boddy:

Ian Boddy & Markus Reuter: Distant Rituals (1999)
Ian Boddy & Chris Carter: Caged (2000)
Dub Atomica (Ian Boddy & Nigel Mullaney: Autonomic (1999)
Ian Boddy / Ron Boots / Harold van der Heijden: Phase 3 (1997)
Ian Boddy: Box Of Secrets (1999)
Ian Boddy: Shrouded (2001)
ARC (Ian Boddy & Marc Shreeve): Radio Sputnik (2000)
Ian Boddy & Robert Rich: Outpost (2001)
Ian Boddy: Aurora (2002)


WEITERE CD-TIPPs FINDEN SIE HIER!