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Dancing Fantasy: Love Letters

Stilrichtung: elektroniklastiger Smooth-Jazz mit Soul-Einflüssen

IC/Digit Music GmbH, 87 2 289-2 (1997)

Musiker: Curtis McLaw u. Chris W. Williams (electronics), YORCK (fl., sax.), Bill Joseph Flynn (gt.)

Ein geschmackvoll gedeckter Tisch für 2 Personen, frische Blumen, Champagner auf Eis und erlesene Speisen. Dazu gedämpftes Licht und Kerzenschein, noch ein paar letzte Korrekturen, dann sind alle Vorbereitungen für ein stimmungsvolles Candlelight-Dinner abgeschlossen.
Es klingelt an der Haustür, noch wenige Augenblicke, dann wird eine Frau in diese knisternde Atmosphäre aus Eleganz und Intimität treten und mit ihr als unverzichtbarer Teil zu einem vollkommenen Ganzen verschmelzen.
Alles ist perfekt, alles ist liebevoll arrangiert, an alles wurde gedacht - wirklich an alles...?, auch an den passenden akustischen Genuß? Kann nicht gerade eine unüberlegte Auswahl der Musik das zunichte machen, was gerade noch in sich stimmig und harmonisch wirkte?
Das I-Tüpfelchen des romantischen Highlights sollte daher sorgsam ausgewählt und zusammengestellt werden. Nicht zu süßlich, nicht zu eindeutig, nicht zu aufdringlich, nicht zu einschläfernd aber auch nicht zu peppig, von der idealen Lautstärke ganz zu schweigen.
Eine Aufgabe, in die ein wenig Zeit und Mühe zu investieren sich immer lohnt und ganz erheblich zum Gelingen eines besonderen Anlasses beitragen kann.
Für derlei außergewöhnliche Gelegenheiten bietet das IC/Digit-Label gleich eine ganze Palette an hochkarätigem Stimmungsmaterial. Seitdem Michael Weisser (Autor und ehemals Gründungsmitglied von Software) als Creative Director die Regie übernommen hat, wurde durch ihn das Programm bei IC/Digit im Zuge der New Age- und Wellness-Bewegung umfangreicher und zugleich straffer strukturiert. Schon Klaus Schulze, der Gründer von IC, hatte vor 20 Jahren einige Künstler, wie Baffo Banfi, PEAK, Ideal, P´Cock oder Mickey D unter Vertrag, die nur entfernt oder gar nicht der Sparte Elektronik zuzuordnen waren. Unter dem Oberbegriff der Ruhe und Entspannung wird diese Tradition von Weisser fortgesetzt, indem u.a. auch Musiker bei IC/Digit unter Vertrag stehen, die auf einem eher jazz- bis poplastigen Terrain unter deutlichem Einfluß einer ausgeglichenen und sanften Grundstimmung in ihrer Musik zuhause sind.
Das Zugpferd in der Kategorie Smooth-Jazz heißt bei IC/Digit Dancing Fantasy (nicht zu verwechseln mit Double Fantasy), in deren Sog weitere Künstler wie George Bishop oder Blue Knights schwimmen, die ebenfalls schon durch brillante Produktionen auf sich aufmerksam gemacht haben.
„Love Letters“ aus dem Jahre 1997 ist das 7. von 8 Alben der beiden Musiker Chris W. Williams und Curtis Mc Law, die für das Synonym „Dancing Fantasy“ stehen.
Musik für Feinschmecker. Sanfte Grooves, zartgliedrige Melodien und schwebende Sounds sind kennzeichnend für sämtliche ihrer Werke, wobei „Love Letters“ sich noch um Nuancen von den übrigen Produktionen hervorhebt. Selten stehen sämtliche Titel einer CD in ihrer Klasse so gleichwertig nebeneinander ohne dabei auch nur einen Moment in seichtes Softgedudel abzugleiten. Kein Stück, das durch vorheriges Programmieren des CD-Players eliminiert werden müßte oder auch nur mäßig zu genießen wäre.
Mc Law und Williams bedienen sich in ihren Kompositionen fast ausschließlich einer synthetisch weichen Grundinstrumentierung. Die Melodien eines jeden Titels werden jedoch durchweg von akustischen Instrumenten getragen. Perlende Klavierläufe, akustische Gitarre, Saxophon oder Querflöte verleihen ihrer Musik jeweils einen ganz besonders warmen und intimen Charakter.
In der Vermarktungsstrategie von IC/Digit soll die Musik von Dancing Fantasy das unbeschwerte lässige Leben an den Stränden Kaliforniens vermitteln. Doch hierzu ist ihre Musik zu feinfühlig und elitär im Gesamteindruck. Vielmehr zelebrieren beide Musiker mit perfektionistischer Hingabe ein Hauch von Glanz und First-Class ohne dabei die Natürlichkeit und Bodenständigkeit in ihrer Musik aus den Augen zu verlieren. Assoziationen mit ausgelassener Urlaubsstimmung an den Stränden von Malibu und St. Monica sollte daher lieber den „Fun & Gute Laune-Songs“ der Beach Boys überlassen bleiben.
Wer den schleppenden Midtempo-Beat von Soul II Soul, The Chimes oder Loose Ends mag, jedoch im Ausdruck abgemildert und dafür angereichert mit einer Prise Jazz, der wird sich mit Dancing Fantasy ohne Hindernisse anfreuden können. Ihre Musik begeistert mit leichten lässigen Rhytmen sowie cooler Raffinesse und transportiert ein Gefühl der Unbeschwertheit und des Besonderen. Stimmungsvolles Soul-Feeling in weichem Jazz-Gewand, das selbstverständlich auch allein und zu anderen Gelegenheiten genossen werden kann; für o.g. Anlässe jedoch zu favorisieren wäre, wenn einmal von Celine Dion, Pavarotti & Co, Kuschelrock die 25. oder ähnlich abgegriffenem Hintergrundschmus einmal abgewichen werden soll. Stephan Behn (18.03.2000)

Tracklist:

Whales Of Love (04.55)
Miss You (05.56)
Too Hot (04.11)
Deep Inside Your Heart (06.02)
Rainy Nights Without You (07.19)
Forever (05.18)
Stay Another Day (05.47)
Close To You (06.51)
When Dreams Come True (06.44)
Passion Eyes (05.13)
Miss You (Radio Mix) (03.55)
When Dreams Come True (Radio Mix) (03.40)

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