|
Ein
geschmackvoll gedeckter Tisch für 2 Personen, frische
Blumen, Champagner auf Eis und erlesene Speisen. Dazu
gedämpftes Licht und Kerzenschein, noch ein paar letzte
Korrekturen, dann sind alle Vorbereitungen für ein
stimmungsvolles Candlelight-Dinner abgeschlossen.
Es klingelt an der Haustür, noch wenige Augenblicke,
dann wird eine Frau in diese knisternde Atmosphäre aus
Eleganz und Intimität treten und mit ihr als
unverzichtbarer Teil zu einem vollkommenen Ganzen
verschmelzen.
Alles ist perfekt, alles ist liebevoll arrangiert, an
alles wurde gedacht - wirklich an alles...?, auch an den
passenden akustischen Genuß? Kann nicht gerade eine unüberlegte
Auswahl der Musik das zunichte machen, was gerade noch
in sich stimmig und harmonisch wirkte?
Das I-Tüpfelchen des romantischen Highlights sollte
daher sorgsam ausgewählt und zusammengestellt werden.
Nicht zu süßlich, nicht zu eindeutig, nicht zu
aufdringlich, nicht zu einschläfernd aber auch nicht zu
peppig, von der idealen Lautstärke ganz zu schweigen.
Eine Aufgabe, in die ein wenig Zeit und Mühe zu
investieren sich immer lohnt und ganz erheblich zum
Gelingen eines besonderen Anlasses beitragen kann.
Für derlei außergewöhnliche Gelegenheiten bietet das
IC/Digit-Label gleich eine ganze Palette an hochkarätigem
Stimmungsmaterial. Seitdem Michael Weisser (Autor und
ehemals Gründungsmitglied von Software) als Creative
Director die Regie übernommen hat, wurde durch ihn das
Programm bei IC/Digit im Zuge der New Age- und
Wellness-Bewegung umfangreicher und zugleich straffer
strukturiert. Schon Klaus Schulze, der Gründer von IC,
hatte vor 20 Jahren einige Künstler, wie Baffo Banfi,
PEAK, Ideal, P´Cock oder Mickey D unter Vertrag, die
nur entfernt oder gar nicht der Sparte Elektronik
zuzuordnen waren. Unter dem Oberbegriff der Ruhe und
Entspannung wird diese Tradition von Weisser
fortgesetzt, indem u.a. auch Musiker bei IC/Digit unter
Vertrag stehen, die auf einem eher jazz- bis poplastigen
Terrain unter deutlichem Einfluß einer ausgeglichenen
und sanften Grundstimmung in ihrer Musik zuhause sind.
Das Zugpferd in der Kategorie Smooth-Jazz heißt bei IC/Digit
Dancing Fantasy (nicht zu verwechseln mit Double Fantasy),
in deren Sog weitere Künstler wie George Bishop oder
Blue Knights schwimmen, die ebenfalls schon durch
brillante Produktionen auf sich aufmerksam gemacht
haben.
„Love Letters“ aus dem Jahre 1997 ist das 7. von 8
Alben der beiden Musiker Chris W. Williams und Curtis Mc
Law, die für das Synonym „Dancing Fantasy“ stehen.
Musik für Feinschmecker. Sanfte Grooves, zartgliedrige
Melodien und schwebende Sounds sind kennzeichnend für sämtliche
ihrer Werke, wobei „Love Letters“ sich noch um
Nuancen von den übrigen Produktionen hervorhebt. Selten
stehen sämtliche Titel einer CD in ihrer Klasse so
gleichwertig nebeneinander ohne dabei auch nur einen
Moment in seichtes Softgedudel abzugleiten. Kein Stück,
das durch vorheriges Programmieren des CD-Players
eliminiert werden müßte oder auch nur mäßig zu genießen
wäre.
Mc Law und Williams bedienen sich in ihren Kompositionen
fast ausschließlich einer synthetisch weichen
Grundinstrumentierung. Die Melodien eines jeden Titels
werden jedoch durchweg von akustischen Instrumenten
getragen. Perlende Klavierläufe, akustische Gitarre,
Saxophon oder Querflöte verleihen ihrer Musik jeweils
einen ganz besonders warmen und intimen Charakter.
In der Vermarktungsstrategie von IC/Digit soll die Musik
von Dancing Fantasy das unbeschwerte lässige Leben an
den Stränden Kaliforniens vermitteln. Doch hierzu ist
ihre Musik zu feinfühlig und elitär im Gesamteindruck.
Vielmehr zelebrieren beide Musiker mit
perfektionistischer Hingabe ein Hauch von Glanz und
First-Class ohne dabei die Natürlichkeit und Bodenständigkeit
in ihrer Musik aus den Augen zu verlieren. Assoziationen
mit ausgelassener Urlaubsstimmung an den Stränden von
Malibu und St. Monica sollte daher lieber den „Fun
& Gute Laune-Songs“ der Beach Boys überlassen
bleiben.
Wer den schleppenden Midtempo-Beat von Soul II Soul, The
Chimes oder Loose Ends mag, jedoch im Ausdruck
abgemildert und dafür angereichert mit einer Prise
Jazz, der wird sich mit Dancing Fantasy ohne Hindernisse
anfreuden können. Ihre Musik begeistert mit leichten lässigen
Rhytmen sowie cooler Raffinesse und transportiert ein
Gefühl der Unbeschwertheit und des Besonderen.
Stimmungsvolles Soul-Feeling in weichem Jazz-Gewand, das
selbstverständlich auch allein und zu anderen
Gelegenheiten genossen werden kann; für o.g. Anlässe
jedoch zu favorisieren wäre, wenn einmal von Celine
Dion, Pavarotti & Co, Kuschelrock die 25. oder ähnlich
abgegriffenem Hintergrundschmus einmal abgewichen werden
soll. Stephan Behn (18.03.2000)
Tracklist:
Whales Of Love (04.55)
Miss You (05.56)
Too Hot (04.11)
Deep Inside Your Heart (06.02)
Rainy Nights Without You (07.19)
Forever (05.18)
Stay Another Day (05.47)
Close To You (06.51)
When Dreams Come True (06.44)
Passion Eyes (05.13)
Miss You (Radio Mix) (03.55)
When Dreams Come True (Radio Mix) (03.40) |