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Etwas
überspitzt aber im Kern nicht ganz unwahr, scheint
„Analog Overdose“ tatsächlich für diejenigen
Elektronik-Liebhaber konzipiert zu sein, die von
analogen Sounds einfach nicht genug bekommen können und
in dieser Hinsicht wurde das erste kooperative Werk von
Thomas Fanger und Manikin-Chef Mario Schönwälder
vielerorts ja auch schon ausgiebig gerühmt.
Verdreht zu einem deutsch-englischen Wortspiel erscheint
die CD in einer runden Metallbox, wodurch schon optisch
signalisiert wird, dass hier keine Durchschnittsware zu
erwarten ist.
Fanger, der schon mit seinem Kompagnon Michael Kersten
(Mind-Flux) ausreichend unter Beweis gestellt hat, dass
sich traditionelle und moderne Elemente ganz
unverkrampft miteinander verschmelzen lassen, hat hier
in Schönwälder einen Partner gefunden, der sich mit
seinem Kollegen Detlef Keller bislang mehr den
klassischen Strukturen in der Elektronik gewidmet hat.
“Analog Overdose“ ist folglich kein Werk, in dem mit
Gegensätzlichkeiten experimentiert wird, sondern die
Gemeinschaftsarbeit zweier Musiker, die ihren
individuellen aber gar nicht so unähnlichen Stil
gewinnbringend miteinander verknüpft haben. Aus
innovativer Sicht ergibt sich daraus zwar nichts
bahnbrechend neues, findet aber in der optimalen Ergänzung
beider Künstler zueinander ihren besonderen Reiz.
Ihre
Musik versteht über weite Strecken zu fesseln und ist
von Lebendigkeit erfüllt. Titel wie „Und wir gehen in
den Club…“ oder „Echo Gods“, an denen auch
Ashra-Gitarrist Lutz Ulbrich beteiligt ist, wurden mit
einem betont straffen Beat unterlegt und erinnern sowohl
an Arbeiten von Mind-Flux als auch an letztere Werke von
Ashra, wie „Sauce Hollandaise“ oder „Live in
Japan“.
Den
analogen Ausdrucksmöglichkeiten entsprechend sind die
übrigen Stücke verstärkt der Berliner Schule
verhaftet. Insbesondere das 24-minütige Titelstück am
Ende der CD, das im Januar 2001 live in der Berliner
Petrus Kirche aufgenommen wurde, klebt sehr dicht an den
sequenzerdurchtränkten Wurzeln analoger Elektronik und
hätte auch leicht als Mitschnitt eines
Gemeinschaftskonzertes von Tangerine Dream und Klaus
Schulze aus dem Jahre ´77 durchgehen können. „Analog
Moods“, der erste Titel auf diesem Album, ist nichts
anderes als die verkürzte Studiofassung von „Analog
Overdose“, was aufgrund der langen Distanz zwischen
beiden Aufnahmen allerdings nicht sofort auffällt. Im
direkten Vergleich zueinander wird dann aber doch
offensichtlich, dass eine diszipliniertere und weniger
improvisierte Herangehensweise das Stressempfinden des Hörers
merklich weniger belastet.
Die übrigen Titel „Sentimental Moods“, „Seilbahn
zu den Sternen“ und „First Contact“ sind ruhiger
arrangiert und entwickeln sich gemächlich im Aufbau.
Entgegen der Langeweile wurden sie facettenreich
detailiert und geben dem gesamten Werk eine
unbeschwerte Ausgeglichenheit.
Alles
in allem ist Fanger und Schönwälder eine geistreiche
und lebendige Aufarbeitung traditioneller Klangmuster
gelungen, wobei keine ihrer persönlichen Handschriften
leiden mußte. Ambitioniert und sich gegenseitig
inspirierend konnten sie mit „Analog Overdose“ dem
nun schon einige Jahre andauernden Revival der
klassischen Berliner Schule erfrischende Akzente hinzufügen.
Stephan
Behn (16.10.2002)
Tracklist:
Analog
Moods (08.44)
emanoN
(01.07)
Und wir
gehen in den Club... (06.43)
Sentimental
Moods (11.26)
Seilbahn
zu den Sternen (04.58)
Echo
Gods (10.18)
First
Contact (12.32)
Analog
Overdose (Live) (23.57)
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