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Fanger & Schönwälder: Analog Overdose

Stilrichtung: Berliner Schule mit zeitgemäßen Einflüssen

Manikin Records, MRCD 7060 (2001)

Musiker: Thomas Fanger und Mario Schönwälder (electronics), Lutz Ulbrich (gt., track 3, 6 & 7)

Etwas überspitzt aber im Kern nicht ganz unwahr, scheint „Analog Overdose“ tatsächlich für diejenigen Elektronik-Liebhaber konzipiert zu sein, die von analogen Sounds einfach nicht genug bekommen können und in dieser Hinsicht wurde das erste kooperative Werk von Thomas Fanger und Manikin-Chef Mario Schönwälder vielerorts ja auch schon ausgiebig gerühmt.
Verdreht zu einem deutsch-englischen Wortspiel erscheint die CD in einer runden Metallbox, wodurch schon optisch signalisiert wird, dass hier keine Durchschnittsware zu erwarten ist.
Fanger, der schon mit seinem Kompagnon Michael Kersten (Mind-Flux) ausreichend unter Beweis gestellt hat, dass sich traditionelle und moderne Elemente ganz unverkrampft miteinander verschmelzen lassen, hat hier in Schönwälder einen Partner gefunden, der sich mit seinem Kollegen Detlef Keller bislang mehr den klassischen Strukturen in der Elektronik gewidmet hat.
“Analog Overdose“ ist folglich kein Werk, in dem mit Gegensätzlichkeiten experimentiert wird, sondern die Gemeinschaftsarbeit zweier Musiker, die ihren individuellen aber gar nicht so unähnlichen Stil gewinnbringend miteinander verknüpft haben. Aus innovativer Sicht ergibt sich daraus zwar nichts bahnbrechend neues, findet aber in der optimalen Ergänzung beider Künstler zueinander ihren besonderen Reiz.
Ihre Musik versteht über weite Strecken zu fesseln und ist von Lebendigkeit erfüllt. Titel wie „Und wir gehen in den Club…“ oder „Echo Gods“, an denen auch Ashra-Gitarrist Lutz Ulbrich beteiligt ist, wurden mit einem betont straffen Beat unterlegt und erinnern sowohl an Arbeiten von Mind-Flux als auch an letztere Werke von Ashra, wie „Sauce Hollandaise“ oder „Live in Japan“.
Den analogen Ausdrucksmöglichkeiten entsprechend sind die übrigen Stücke verstärkt der Berliner Schule verhaftet. Insbesondere das 24-minütige Titelstück am Ende der CD, das im Januar 2001 live in der Berliner Petrus Kirche aufgenommen wurde, klebt sehr dicht an den sequenzerdurchtränkten Wurzeln analoger Elektronik und hätte auch leicht als Mitschnitt eines Gemeinschaftskonzertes von Tangerine Dream und Klaus Schulze aus dem Jahre ´77 durchgehen können. „Analog Moods“, der erste Titel auf diesem Album, ist nichts anderes als die verkürzte Studiofassung von „Analog Overdose“, was aufgrund der langen Distanz zwischen beiden Aufnahmen allerdings nicht sofort auffällt. Im direkten Vergleich zueinander wird dann aber doch offensichtlich, dass eine diszipliniertere und weniger improvisierte Herangehensweise das Stressempfinden des Hörers merklich weniger belastet.
Die übrigen Titel „Sentimental Moods“, „Seilbahn zu den Sternen“ und „First Contact“ sind ruhiger arrangiert und entwickeln sich gemächlich im Aufbau. Entgegen der Langeweile wurden sie facettenreich detailiert und geben dem gesamten Werk eine unbeschwerte Ausgeglichenheit.
Alles in allem ist Fanger und Schönwälder eine geistreiche und lebendige Aufarbeitung traditioneller Klangmuster gelungen, wobei keine ihrer persönlichen Handschriften leiden mußte. Ambitioniert und sich gegenseitig inspirierend konnten sie mit „Analog Overdose“ dem nun schon einige Jahre andauernden Revival der klassischen Berliner Schule erfrischende Akzente hinzufügen.
Stephan Behn (16.10.2002)

Tracklist:

Analog Moods (08.44)
emanoN (01.07)
Und wir gehen in den Club... (06.43)
Sentimental Moods (11.26)
Seilbahn zu den Sternen (04.58)
Echo Gods (10.18)
First Contact (12.32)
Analog Overdose (Live) (23.57)

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