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Ian Boddy: Shrouded

Stilrichtung: Ambient bis Dark-Ambient, teilw. mit Rhytmik unterlegt

mp3.com 91509 (2001)N

Musiker: Ian Boddy (electronics)

Selten stehen Musik, Spielort, CD-Titel und Covergestaltung in einem solch beziehungsvollen Kontext zueinander, wie bei diesem sehr introvertierten Werk von Ian Boddy.
„Shrouded“ heißt soviel wie „eingehüllt“ oder „umhüllt sein“, das Substantiv „shroud“ dagegen bedeutet speziell „Leichentuch“. Ein gelungenes Wortspiel, das die Musik und ihren Entstehungsort treffend charakterisiert.
„Shrouded“ ist ein Live-Mitschnitt vom 6. Mai 2000 in der Kathedrale von Philadelphia. Ein Spielort mit Tradition, denn beinahe alle Elektronikgrößen der Neunziger-Jahre haben hier im Rahmen der sogenannten „Gathering-Veranstaltungen“ (www.thegatherings.org) schon Konzerte in einzigartigem Ambiente absolviert. Die geheimnis- bis unheilvolle Aura des im 18. Jahrhundert erbauten Sakralbaues inspirierte Boddy zutiefst und wurde von ihm musikalisch auf exzellente Weise interpretiert. Seine wieder einmal so bewundernswert feinfühlige Gabe verhalf ihm dazu, den altertümlich spirituellen Geist dieses besonderen Ortes einzufangen und in beseelt tiefgründige Klänge umzusetzen. Mit viel Fingerspitzengefühl gelingt es Boddy sein Publikum in den Bann zu ziehen und in ein unantastbar düsteres Tuch aus schwadenhaften Soundwolken zu hüllen. Die dramatisch wirkende Verdunkelung des Himmels, die die Landschaft unter ihr finster umnebelt, ist eine auf dem CD-Cover gelungen dargestellte Metapher und rundet dieses ganz spezielle Konzert-Ereignis auf stimmige Weise ab.
Umfangreicher als man es normalerweise von ihm gewohnt ist, bedient sich Boddy auf dieser CD stilprägender Elemente aus dem Dark-Ambient-Bereich. Die ungeraden Titel 1, 3 und 5 (2x6 u. 1x9 Min.) wurden als rhytmuslose aber elegant ausgekleidete Klanglandschaften entwickelt. Ein jeweils sanftes, bisweilen wehmütig und in dunklen Farben dahinschweifendes Akustik-Gewebe, wie man es bereits von seiner Zusammenarbeit mit Markus Reuter (Centrozoon) her kennt.
Die geraden Titel 2 und 4 (20 u. 10 Min.) sind durch eine individuelle Rhytmik gekennzeichnet, wobei das längste Stück „Gathering“ von Boddy zusätzlich mit klug arrangierten Sequenzen unterlegt wurde. Beide Aufnahmen versetzen das gesamte Werk in nachdenklich stimmende Schwingungen und geben der CD einen unverwechselbar feierlichen Charakter. Ein rhytmisch konzipiertes 6. Stück hätte diesen Gesamteindruck jedoch erst perfektioniert und dem Werk eine noch höhere Intensität verliehen, zumal die Gesamtspielzeit mit gerade einmal 53 Minuten bei Weitem nicht die mögliche Speicherkapazität einer CD ausschöpft. Auch hätten nahtlose Übergänge der einzelnen Aufnahmen eine noch größere Dichte bewirkt.
Jedem, der atmosphärisch inspirierten Klangmalereien auch nur ein wenig Interesse entgegenbringt, sei dieses stimmungsvolle Album dennoch wärmstens empfohlen. Mit „Shrouded“ setzt Boddy seine in den letzten Jahren begonnene Serie dunkel orientierter Arbeiten flexibel und auf anspruchsvollem Niveau fort und stellt erneut sein Talent im passenden Umgang mit speziellen Situationen unter Beweis. Stephan Behn (19.04.2001)

Tracklist:

First Light (06.43)
Gathering (20.23)
Drift (06.35)
Shrouded (10.24)
Nightfall (09.20)


Weitere CDs:

Ian Boddy & Markus Reuter: Distant Rituals (1999)
Ian Boddy & Chris Carter: Caged (2000)
Dub Atomica (Ian Boddy & Nigel Mullaney: Autonomic (1999)
Ian Boddy / Ron Boots / Harold van der Heijden: Phase 3 (1997)
Ian Boddy: Box Of Secrets (1999)
Ian Boddy / Markus Reuter / Nigel Mullaney: Triptych (2001)
ARC (Ian Boddy & Marc Shreeve): Radio Sputnik (2000)
Ian Boddy & Robert Rich: Outpost (2001)
Ian Boddy: Aurora (2002)

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