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Obwohl
James Johnson schon in den 80er Jahren bestrebt war sich
mit experimentellen Ausdrucksformen auseinanderzusetzten,
begann er doch erst 1998 sich auf musikalischer Ebene
computerunterstützten Möglichkeiten zu widmen. Seine
Alben „Unity“ (´98) und „Surrender“ (´99)
zeichnen bereits das Bild eines nachdenklich
introvertierten Musikers mit Hang zur Romantik, wovon
auch „Entering Twilight“ nicht unbeeinflußt bleibt.
Das gut einstündige Werk ist laut Johnson´s Aussage
zum Hören mit geringer Lautstärke bestimmt und
erstreckt sich auf einer sehr gleichmäßigen und weich
dahinfließenden Ebene.
Der schon etwas abgenutzte Vergleich mit dem
schwadenhaften Nebel, der, durch eine sanfte Brise
angetrieben, einer unberührten Berglandschaft ein
seelenhaft mystisches Eigenleben verleiht, kommt der
bildhaften Beschreibung von „Entering Twilight“ wohl
doch noch am nächsten.
Das Stück baut sich hintergründig aus einem sehr
sanftmütig geratenen Klanggewebe heraus auf, das mit
einem dezent angelegten Chorstimmeneffekt verschwimmt
und von hellklingenden, xylophonähnlichen Tonfolgen
sparsam begleitet wird. Ein außerordentlich zartfühlender
Stimmungsentwurf, dem eine überirdische Aura anhaftet,
wodurch allerdings die Grenze zum Kitsch sehr nahe gerückt
ist. Die kühle Leichtigkeit seiner Komposition und die
puristische Auslegung dessen, was Ambient im Kern
eigentlich bewirken soll (mentale Ausgeglichenheit in
Wechselwirkung mit der atmosphärisch aufgewerteten
Umgebung), bewahrt Johnson jedoch gerade noch einmal vor
süßlicher Verunglimpfung.
Mag sein, dass James Johnson bei dieser Arbeit von Brian
Eno´s Werk „Thursday Afternoon“ beeinflußt war,
das in Struktur und Ausdruck ganz ähnlich konzipiert
ist wie „Entering Twilight“ und bereits 1985 auf CD
veröffentlicht wurde. Das ebenfalls 60-minütige Stück,
das sich eng an vorangegangene Gemeinschaftsarbeiten mit
Harold Budd lehnt, ist gesamtheitlich etwas
melancholischer geraten, entfaltet einen persönlicheren
Charme und ist hintergründig vielschichtiger variiert
worden als die ein wenig glatt und gelackt wirkende
Produktion von Johnson.“ Dagegen suggeriert
„Entering Twilight“ beschauliche Ruhe und unberührte
Schönheit, wodurch das Werk eine sehr gefühlsbetonte
Ausstrahlung entfacht.
Alles in allem sprüht dieses Soloalbum von James
Johnson nicht gerade vor Ideenreichtum, entwickelt aber
aufgrund der geradlinigen Ausrichtung eine sinnlich
entspannende Wirkung, wodurch diese CD noch als
annehmbar gewertet werden kann.
Interessanter und somit empfehlenswerter sind dagegen
seine veröffentlichten Arbeiten mit Ambient-Größen
wie Ma Ja Le, Vir Unis oder Robert Scott Thompson, die
jedoch vornehmlich auf Johnson´s Stamm-Label Zero Music
erschienen sind. Stephan Behn (14.10.2001)
Tracklist:
Entering Twilight (66.00) |