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Sampler Manikin Record: First Decade 1992 - 2002

Stilrichtung: diverse

Manikin Records, MRCD 7062 (2002)

Musiker: V.A.

Berlin, die Mutterstadt der EM, ist auch Heimat von Elektronik-Routinier und Geschäftsmann Mario Schönwälder, dessen Label Manikin Records in diesem Jahr 10. Geburtstag feiert – Herzlichen Glückwunsch!
Dass dieses Unternehmen im schnelllebigen Musik-Geschäft, in dem die Elektronik ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielt, heute gefestigter und gesünder dasteht denn je, ist nicht nur Schönwälders Liebe zu diesem speziellen Metier und seinem unermüdlichen Engagement zu verdanken, sondern auch seiner freundschaftlichen und umgänglichen Art, die ihn bei vielen Kollegen so beliebt gemacht hat. Selbst erfolgreicher Musiker, hat er Dank seiner Aufgeschlossenheit, seinem Gemeinschaftssinn und seiner Einsatzfreude in den letzten Jahren ein dichtes Netz an Kontakten zu Musikern aufbauen können, die sich in ihrer Arbeit allesamt vor allem durch 3 Eigenschaften auszeichnen – Qualität, Kontinuität, und ein vernünftiges Maß an Traditionsbewußsein.
Offiziell gefeiert wurde ja bereits Anfang April in der Toskana Therme in Bad Sulza, wo Schönwälder ein 36-stündiges Festival-Marathon mit vielen Künstlern, die zur Manikin-Familie gehören, organisiert oder besser, inszeniert hat. Ein hochklassiges Ereignis in außergewöhnlichem Ambiente, mit dem sich der Manikin-Chef sicherlich auch selbst ein Geschenk gemacht hat.
In liebevoller Aufmachung und limitiert auf 777 Stück erschien zeitgleich auch diese bemerkenswerte Jubiläums-Compilation, auf der sich seine teils langjährigen Wegbegleiter mit jeweils einem bisher unveröffentlichten Track verewigt haben.
„Devil´s Run“, mit 17 Minuten das längste Stück auf „First Decade 1992 – 2002“, stammt natürlich von Schönwälder selbst und seinem musikalischen Companion Detlef Keller. Dieser Titel ist ein Live-Mischnitt vom Konzert am 01.01.02 in der Berliner Petrus-Kirche, für das zusätzlich der Holländer Bas Broekhuis verpflichtet wurde, der bei diesem Stück auf berauschende Weise über einen stringent flirrenden Sequenzer-Teppich sein diffizil ekstatisches Percussions-Spiel entfaltet. Allein dafür lohnt schon der Erwerb dieser Doppel-CD.
Selbstverständlich sind auch Spyra und Rainbow Serpent dabei, die mit ihren Aufnahmen wieder einmal keinen Hehl aus ihrer Bewunderung zu Klaus Schulzes Musik aus den 70ern machen.
Der wiederum hat allerdings, speziell zum Manikin-Jubiläum, einen Titel komponiert, mit dem er erneut auf überzeugende Weise seine progressive Haltung demonstriert.
Dass auch Fanger & Kersten aka Mind-Flux dabei sind, versteht sich von selbst. Ihr gehobener Trance-Pop ist im Kern mit der Berliner Schule verwurzelt, was sich in der jüngsten Zusammenarbeiteit zwischen Thomas Fanger und Mario Schönwälder (CD „Analog Overdose“) impulsgebend ausgewirkt hat. Die Beiden haben zusammen mit Ashra-Altmeister Lutz Ulbrich einen flott tanzbaren Titel aufgenommen, in dem dessen unverwechselbares Gitarrenspiel besonders schön zur Geltung kommt. Und wenn Lutz Ulbrich dabei ist, dann fehlt selbstverständlich auch nicht ein Beitrag von Harald Grosskopf, selbst langjähriges Ashra-Mitglied und der wohl bekannteste Schlagzeuger in der Elektronik-Szene.
Desweiteren werden Otarion-Fans mit einem superben Stück verwöhnt, das in Zusammenarbeit mit Bernd Braun alias Arcanum entstanden ist und ehemalige Manikin-Interpreten wie die Nightcrawlers, Rolf Trostel oder Steve Hug vervollständigen schließlich mit ihren Kompositionen diesen überraschungsreichen Jubiläums-Sampler. Einzig Frank Makowski und Stephen Parsick von Ramp haben mit „What´s The Point Of Eating Concrete?“ einen schlechten Griff in die Mottenkiste getätigt und für dieses Album einen nicht nur lieblosen, sondern auch ziemlich strapaziösen Titel beigesteuert – schade.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Mario Schönwälder im Laufe der Jahre ein kompetentes und renommiertes Ensemble von namhaften Künstlern um sich geschart hat. Künstler, die in Elektronik-Kreisen aufgrund ihrer Beständigkeit und ihrer richtungsweisenden Arbeit einen repektablen Ruf genießen. Insofern ist „First Decade 1992 – 2002“ nicht nur eine originelle Jubiläums-Geste, sondern auch so etwas wie eine Bestandsaufnahme, die demonstriert, dass in der EM kein Entwicklungsstillstand zu verzeichnen ist, sondern ein fortwährender Erneuerungsprozess, in dem die zeitgemäße Umsetzung klassischer Strukturen einen herausragenden Stellenwert einnimmt.
Manikin-Records hat sich damit zu einer wichtigen Institution auf dem Elektronik-Markt entwickelt und ist eine maßgebende Bereicherung für die gesamte Szene. Zu dieser Leistung kann man Mario und seinem Team nur noch einmal beglückwünschen.
Weiterhin soviel Erfolg wünscht Stephan Behn (15.06.2002)

Tracklist:

CD1:

Spyra: Last Train To Bayreuth (04.20)
Harald Grosskopf: Nostalgia 76 (05.09)
Fanger + Schönwälder feat. Lutz Ulbrich: Echo Gods (07.30)
Klaus Schulze: Manikin Jubilee (07.35)
Fanger & Kersten: Terraforming (05.52)
Arcanum vs. Otarion: The Overdub (06.54)
Mario Schönwälder: Lightyears Before.... (03.50)
Nightcrawlers: Broken Symmetry (07.48)
Beatboys: Scaling The Moon (07.45)
Digital Mechanics: Triduum (05.17)
Fanger + Schönwälder: Electronic Mirrors Chapter Seven (14.23)

  CD2:

Rainbow Serpent: Radiotrips (08.44)
Keller + Schönwälder feat. Bas Broekhuis: Devil´s Run (17.14)
Ramp: What´s The Point Of Eating Concrete? (09.22)
Steve Hug: Dances Of The Nymphes (12.33)
Ralf Trostel: Kyrie 777 (08.14)
Detlef Keller: Different Faces Rehearsal (11.09)
Electric Orange: Dedicated To M.K. (10.39)

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