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Berlin,
die Mutterstadt der EM, ist auch Heimat von
Elektronik-Routinier und Geschäftsmann Mario Schönwälder,
dessen Label Manikin Records in diesem Jahr 10.
Geburtstag feiert – Herzlichen Glückwunsch!
Dass dieses Unternehmen im schnelllebigen Musik-Geschäft,
in dem die Elektronik ohnehin nur eine untergeordnete
Rolle spielt, heute gefestigter und gesünder dasteht
denn je, ist nicht nur Schönwälders Liebe zu diesem
speziellen Metier und seinem unermüdlichen Engagement
zu verdanken, sondern auch seiner freundschaftlichen und
umgänglichen Art, die ihn bei vielen Kollegen so
beliebt gemacht hat. Selbst erfolgreicher Musiker, hat
er Dank seiner Aufgeschlossenheit, seinem
Gemeinschaftssinn und seiner Einsatzfreude in den
letzten Jahren ein dichtes Netz an Kontakten zu Musikern
aufbauen können, die sich in ihrer Arbeit allesamt vor
allem durch 3 Eigenschaften auszeichnen – Qualität,
Kontinuität, und ein vernünftiges Maß an
Traditionsbewußsein.
Offiziell gefeiert wurde ja bereits Anfang April in der
Toskana Therme in Bad Sulza, wo Schönwälder ein 36-stündiges
Festival-Marathon mit vielen Künstlern, die zur
Manikin-Familie gehören, organisiert oder besser,
inszeniert hat. Ein hochklassiges Ereignis in außergewöhnlichem
Ambiente, mit dem sich der Manikin-Chef sicherlich auch
selbst ein Geschenk gemacht hat.
In liebevoller Aufmachung und limitiert auf 777 Stück
erschien zeitgleich auch diese bemerkenswerte Jubiläums-Compilation,
auf der sich seine teils langjährigen Wegbegleiter mit
jeweils einem bisher unveröffentlichten Track verewigt
haben.
„Devil´s Run“, mit 17 Minuten das längste Stück
auf „First Decade 1992 – 2002“, stammt natürlich
von Schönwälder selbst und seinem musikalischen
Companion Detlef Keller. Dieser Titel ist ein
Live-Mischnitt vom Konzert am 01.01.02 in der Berliner
Petrus-Kirche, für das zusätzlich der Holländer Bas
Broekhuis verpflichtet wurde, der bei diesem Stück auf
berauschende Weise über einen stringent flirrenden
Sequenzer-Teppich sein diffizil ekstatisches
Percussions-Spiel entfaltet. Allein dafür lohnt schon
der Erwerb dieser Doppel-CD.
Selbstverständlich sind auch Spyra und Rainbow Serpent
dabei, die mit ihren Aufnahmen wieder einmal keinen Hehl
aus ihrer Bewunderung zu Klaus Schulzes Musik aus den
70ern machen.
Der wiederum hat allerdings, speziell zum Manikin-Jubiläum,
einen Titel komponiert, mit dem er erneut auf überzeugende
Weise seine progressive Haltung demonstriert.
Dass auch Fanger & Kersten aka Mind-Flux dabei sind,
versteht sich von selbst. Ihr gehobener Trance-Pop ist
im Kern mit der Berliner Schule verwurzelt, was sich in
der jüngsten Zusammenarbeiteit zwischen Thomas Fanger
und Mario Schönwälder (CD „Analog Overdose“)
impulsgebend ausgewirkt hat. Die Beiden haben zusammen
mit Ashra-Altmeister Lutz Ulbrich einen flott tanzbaren
Titel aufgenommen, in dem dessen unverwechselbares
Gitarrenspiel besonders schön zur Geltung kommt. Und
wenn Lutz Ulbrich dabei ist, dann fehlt selbstverständlich
auch nicht ein Beitrag von Harald Grosskopf, selbst
langjähriges Ashra-Mitglied und der wohl bekannteste
Schlagzeuger in der Elektronik-Szene.
Desweiteren werden Otarion-Fans mit einem superben Stück
verwöhnt, das in Zusammenarbeit mit Bernd Braun alias
Arcanum entstanden ist und ehemalige Manikin-Interpreten
wie die Nightcrawlers, Rolf Trostel oder Steve Hug
vervollständigen schließlich mit ihren Kompositionen
diesen überraschungsreichen Jubiläums-Sampler. Einzig
Frank Makowski und Stephen Parsick von Ramp haben mit
„What´s The Point Of Eating Concrete?“ einen
schlechten Griff in die Mottenkiste getätigt und für
dieses Album einen nicht nur lieblosen, sondern auch
ziemlich strapaziösen Titel beigesteuert – schade.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Mario Schönwälder
im Laufe der Jahre ein kompetentes und renommiertes
Ensemble von namhaften Künstlern um sich geschart hat.
Künstler, die in Elektronik-Kreisen aufgrund ihrer Beständigkeit
und ihrer richtungsweisenden Arbeit einen repektablen
Ruf genießen. Insofern ist „First Decade 1992 –
2002“ nicht nur eine originelle Jubiläums-Geste,
sondern auch so etwas wie eine Bestandsaufnahme, die
demonstriert, dass in der EM kein Entwicklungsstillstand
zu verzeichnen ist, sondern ein fortwährender
Erneuerungsprozess, in dem die zeitgemäße Umsetzung
klassischer Strukturen einen herausragenden Stellenwert
einnimmt.
Manikin-Records hat sich damit zu einer wichtigen
Institution auf dem Elektronik-Markt entwickelt und ist
eine maßgebende Bereicherung für die gesamte Szene. Zu
dieser Leistung kann man Mario und seinem Team nur noch
einmal beglückwünschen.
Weiterhin soviel Erfolg wünscht Stephan Behn
(15.06.2002)
Tracklist:
CD1:
Spyra: Last Train To Bayreuth (04.20)
Harald Grosskopf: Nostalgia 76 (05.09)
Fanger + Schönwälder feat. Lutz Ulbrich: Echo Gods
(07.30)
Klaus Schulze: Manikin Jubilee (07.35)
Fanger & Kersten: Terraforming (05.52)
Arcanum vs. Otarion: The Overdub (06.54)
Mario Schönwälder: Lightyears Before.... (03.50)
Nightcrawlers: Broken Symmetry (07.48)
Beatboys: Scaling The Moon (07.45)
Digital Mechanics: Triduum (05.17)
Fanger + Schönwälder: Electronic Mirrors Chapter Seven
(14.23)
CD2:
Rainbow Serpent: Radiotrips (08.44)
Keller + Schönwälder feat. Bas Broekhuis: Devil´s Run
(17.14)
Ramp: What´s The Point Of Eating Concrete? (09.22)
Steve Hug: Dances Of The Nymphes (12.33)
Ralf Trostel: Kyrie 777 (08.14)
Detlef Keller: Different Faces Rehearsal (11.09)
Electric Orange: Dedicated To M.K. (10.39)
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