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Gitarrist
Markus Reuter ist in Ambient-Kreisen vor allem durch
seine Arbeit mit dem Musiker Bernhard Wöstheinrich bzw.
ihrem gemeinsamen Projekt Centrozoon und durch seine
Zusammenarbeit mit Elektronikveteran Ian Boddy bekannt
geworden. Die Alben „Blast“ und „Distant
Rituals“, die aus diesen Konstellationen hervorgingen,
sind beide auf dem DiN-Label erschienen und können auf
dem Gebiet der sphärisch beeinflußten Klangschöpfungen
als echte Innovationen eingestuft werden.
Um so enttäuschender ist jetzt sein Soloalbum „Digitalis“
ausgefallen. Was hier bereits stört, ist das die 12 Stücke
vollkommen unterschiedlich betitelt wurden, was den
Eindruck erweckt, eine sehr abwechslungsreiche und unter
Umständen sogar interessante CD erworben zu haben. Doch
tatsächlich stimmt die Beschreibung mit dem Inhalt
nicht überein. „Digitalis“ ist als ein zusammenhängendes
Stück konzipiert, das sich über die Distanz einer
guten Stunde in Klangwahl und Ausdruck so gut wie überhaupt
nicht ändert. Des Weiteren schlägt negativ zu Buche,
dass Reuter offenbar nicht gewillt ist, mit diesem Werk
ansatzweise so etwas wie Musik zu kreieren. Die
Aufnahmen, die Reuter in „Real-Time“ (was wohl
nichts anderes als „improvisiert“ bedeutet)
eingespielt hat und von ihm wahrscheinlich erst zu einem
späteren Zeitpunkt nahtlos aneinander gefügt wurden,
bestehen aus einem Wirrwarr von Klängen, die zwar
konzeptionell eine Struktur erkennen lassen, doch im
Ergebnis ein nur ungeordnetes und letztendlich
unattraktives Ganzes ergeben. Die Stücke bauen sich aus
einem zerfahren wabernden Grundmuster auf, das mit
eingesprenkselt herumschwirrenden Tönen
„bereichert“ wird und fortwährend so klingt als
wolle Reuter nur einmal die Möglichkeiten seines
Instrumentariums durchchecken. Ein künstlerisch
aufgearbeitetes Sound-Chaos, das über eine reduzierte Länge
von 4 bis 5 Minuten annehmbar und interessant gewesen wäre,
doch über das gesamte Album ausgebreitet in eine ärgerliche
Nervenbelastung ausufert.
Markus Reuter kann als Musiker mit dieser Leistung
eigentlich nicht zufrieden sein. „Digitalis“ ist
Wasser auf den Mühlen all derjenigen, die Ambient als
belanglose und und nichtssagend langweilige
Hintergrundberieselung abtun, womit er Kollegen und
Publikum dieser ganz speziellen Richtung bestimmt keinen
Gefallen erweist.
Stephan Behn (24.08.2001)
Tracklist:
Swallowed Cold
Toward The Invisible World
Forces Tending To Unbalance
Into The Invisible World
The Invisible World
A Massive Glowing Three-Axis Cross
Demonic Interference
Radiating Blackness
Angelic Interference
Beyond The Limit Of The Fire
Whole
Holy
Empfehlenswerte
CDs von Markus Reuter:
Ian Boddy & Markus Reuter: Distant Rituals (1999)
Centrozoon (Markus Reuter & Bernhard Wöstheinrich):
„Blast“ (2000)
Boddy, Reuter, Mullaney: “Triptych” (2001) |