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Max van Richter: Resurrection

Stilrichtung: kraftvoll, melodieorientierte Elektronik im Stil von Tangerine Dream Anfang der 90er

Neu Harmony, NH 026 (2002)

Musiker: Max van Richter (electronics)

Über die Identität der englischen Formation Arcane kann nur spekuliert werden, denn Namen und Anzahl der Mitglieder sind nirgends eindeutig belegt. Auf dem Innencover der CD Gather Darkness ist in einer fiktiven Biographie der Gruppe nachzulesen, dass ein gewisser Max (van) Richter zu den Gründungsmitgliedern zählt, Ende der 70er Jahre aber auf mysteriöse Weise ums Leben kommt. Nachdem Arcane in den letzten Jahren in Fachkreisen durchweg über den grünen Klee gelobt wurden, ließ es Richter wohl keine Ruhe und er entschloß sich von den Toten aufzuerstehen, um mit seinem Solo-Debüt Resurrection an die Erfolge seiner Kollegen anzuknüpfen.
Bei diesem innerbetrieblichen Konkurrenzkampf geht es vor allem um eine Frage: „Wer von Beiden ist der perfektere T.D.-Klon“? Denn beide Interpreten kleben ohne Distanz mit solch sklavischer Manie an ihren Vorbildern, dass in Bezug auf Identität schon fast von Selbstaufgabe gesprochen werden muß. Soundsprache, Melodiemuster und Stilmittel werden mit einer Akribie imitiert, die eigentlich keinen Raum mehr für Persönlichkeit lassen, wenn es den Künstlern in diesem selbst auferlegten Korsett nicht doch gelänge ein gewisses Maß an Kreativität zu entfalten. Und das gelingt beiden Interpreten auf recht intelligente Weise. Während Arcane sich auf die Zeit zwischen 1980 und ´85 spezialisiert haben, hat sich Richter auf die TD-Ära nach 1990 festgelegt. Seine Kompositionen klingen weder abgedroschen noch stumpfsinnig, sondern können als adäquate Adaption gewertet werden, die eine hohe Anziehungskraft besitzen. Die Aufnahmen bestechen durch eine ausgefeilte Melodik und bewundernswerter Präzision. Sie wurden bis zur letzten Note auf Hochglanz poliert und gefallen trotz der strengen Ausrichtung durch eine Fülle von Ideen, die vor allem im Detail wahrzunehmen sind. Sämtliche Titel entwickeln sich ruhig im Aufbau und steigern sich im weiteren Verlauf zum wuchtig Dramatischen, wobei die Grenze zu einer hymnisch, orchestralen Übersteigerung schon fast durchschritten wird. Allen Stücken gemein ist jedoch eine gehaltvoll treibende Kraft, die vor bombast- und schmalztriefender Verklärung schützt.
Insgesamt betrachtet ist Richter eine respektable Aufarbeitung der Musik von Tangerine Dream gelungen, die auf einem sehr souverän und konsequent gehaltenen Konzept gründet. Die leidenschaftliche Hingabe mit denen er seinen Vorbildern huldigt, wird von ihm auf hohem Niveau vollzogen und wirkt stellenweise zwar etwas maniriert aber nie gewollt oder künstlich.
Hörer, die von einem Künstler Originalität, ein persönliches Profil sowie innovative Ideen erwarten, suchen auf Resurrection hiernach allerdings vergeblich. Wer sich aber schon immer eine Fortsetzung von Tangerine Dream´s 220 Volt gewünscht hat, der wird von Max van Richter bestens bedient.
Die Wertschätzung, die Tangerine Dream von Arcane und Richter aber auch anderen Musikern entgegengebracht wird, macht offensichtlich, dass die Musik von T.D. vielleicht doch einen ganz eigenen Charme besitzt und vielleicht folgende These stützt: „Lieber etwas Gutes aufgreifen und weiterentwickeln, als sich mit einem eigenen Stil in Mittelmäßigkeit üben“.
Stephan Behn (05.01.2003)

Tracklist:

Resurrection (09.18)
The House Of Visual Transference (07.05)
The Abduction Syndrome (10.24)
Prophecy (07.56)
Psychokinetic Hymn (07.53)
The City Of Waking Hallucinations (11.00)
Last Exit (10.23)

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