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Über die
Identität der englischen Formation Arcane kann
nur spekuliert werden, denn Namen und Anzahl der
Mitglieder sind nirgends eindeutig belegt. Auf dem
Innencover der CD Gather Darkness ist in
einer fiktiven Biographie der Gruppe nachzulesen, dass
ein gewisser Max (van) Richter zu den Gründungsmitgliedern
zählt, Ende der 70er Jahre aber auf mysteriöse Weise
ums Leben kommt. Nachdem Arcane in den letzten Jahren in
Fachkreisen durchweg über den grünen Klee gelobt
wurden, ließ es Richter wohl keine Ruhe und er entschloß
sich von den Toten aufzuerstehen, um mit seinem Solo-Debüt
Resurrection an die Erfolge seiner
Kollegen anzuknüpfen.
Bei diesem innerbetrieblichen Konkurrenzkampf geht es
vor allem um eine Frage: „Wer von Beiden ist der
perfektere T.D.-Klon“? Denn beide Interpreten kleben
ohne Distanz mit solch sklavischer Manie an ihren
Vorbildern, dass in Bezug auf Identität schon fast von
Selbstaufgabe gesprochen werden muß. Soundsprache,
Melodiemuster und Stilmittel werden mit einer Akribie
imitiert, die eigentlich keinen Raum mehr für Persönlichkeit
lassen, wenn es den Künstlern in diesem selbst
auferlegten Korsett nicht doch gelänge ein gewisses Maß
an Kreativität zu entfalten. Und das gelingt beiden
Interpreten auf recht intelligente Weise. Während
Arcane sich auf die Zeit zwischen 1980 und ´85
spezialisiert haben, hat sich Richter auf die TD-Ära
nach 1990 festgelegt. Seine Kompositionen klingen weder
abgedroschen noch stumpfsinnig, sondern können als adäquate
Adaption gewertet werden, die eine hohe Anziehungskraft
besitzen. Die Aufnahmen bestechen durch eine ausgefeilte
Melodik und bewundernswerter Präzision. Sie wurden bis
zur letzten Note auf Hochglanz poliert und gefallen
trotz der strengen Ausrichtung durch eine Fülle von
Ideen, die vor allem im Detail wahrzunehmen sind. Sämtliche
Titel entwickeln sich ruhig im Aufbau und steigern sich
im weiteren Verlauf zum wuchtig Dramatischen, wobei die
Grenze zu einer hymnisch, orchestralen Übersteigerung
schon fast durchschritten wird. Allen Stücken gemein
ist jedoch eine gehaltvoll treibende Kraft, die vor
bombast- und schmalztriefender Verklärung schützt.
Insgesamt betrachtet ist Richter eine respektable
Aufarbeitung der Musik von Tangerine Dream gelungen, die
auf einem sehr souverän und konsequent gehaltenen
Konzept gründet. Die leidenschaftliche Hingabe mit
denen er seinen Vorbildern huldigt, wird von ihm auf
hohem Niveau vollzogen und wirkt stellenweise zwar etwas
maniriert aber nie gewollt oder künstlich.
Hörer, die von einem Künstler Originalität, ein persönliches
Profil sowie innovative Ideen erwarten, suchen auf
Resurrection hiernach allerdings vergeblich. Wer sich
aber schon immer eine Fortsetzung von Tangerine Dream´s
220 Volt gewünscht hat, der wird von Max
van Richter bestens bedient.
Die Wertschätzung, die Tangerine Dream von Arcane und
Richter aber auch anderen Musikern entgegengebracht
wird, macht offensichtlich, dass die Musik von T.D.
vielleicht doch einen ganz eigenen Charme besitzt und
vielleicht folgende These stützt: „Lieber etwas Gutes
aufgreifen und weiterentwickeln, als sich mit einem
eigenen Stil in Mittelmäßigkeit üben“. Stephan
Behn (05.01.2003)
Tracklist:
Resurrection (09.18)
The House Of Visual Transference (07.05)
The Abduction Syndrome (10.24)
Prophecy (07.56)
Psychokinetic Hymn (07.53)
The City Of Waking Hallucinations (11.00)
Last Exit (10.23) |