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Mind Flux: Kontinuum 
Fanger & Kersten: Interkosmos


Stilrichtung: Trance-Pop mit Chill Out- und Berliner Schule-Einflüssen

IC/Digit Music GmbH 872336-2 (1999)

Musiker: Thomas Fanger und Michael Kersten (electronics)

Auf dem elektronischen Dancefloor-Sektor gehören sie sicher zu den intelligentesten Köpfen.
Gemeint ist das berliner Duo Thomas Fanger und Michael Kersten alias MIND-FLUX, die ihre Produktionen labelabhängig einmal unter dem einen, dann wieder unter dem anderen Namen veröffentlichen.
1999 sind von ihnen gleich 2 wertvolle CDs erschienen, auf denen ihr breitgefächertes Schaffen in vollem Umfang zu erleben ist und auf die an dieser Stelle noch einmal ganz besonders hingewiesen werden soll.
Ob sich ihr Hauptsitz Berlin nun prägend auf die Beiden ausgewirkt hat, sei einmal dahingestellt; zweifellos ist ihre Musik jedoch von wesentlichen Elementen der traditionellen Berliner-Schule beeinflußt. Wer jetzt aber glaubt, analoge Effekthascherei im 70er-Jahre-Stil über entschärfte Techno-Rhythmen vorgesetzt zu bekommen, muß sich angenehm getäuscht sehen. Denn die sequenzerdurchzogenen Soundteppiche, die das Herz vieler Elektronik-Liebhaber längst vergangener Zeiten höher schlagen lassen, werden von Fanger und Kersten als Wurzeln ihrer eigenen Musik begriffen und immer wieder auf brillante Weise mit zeitgemäßen Rhythmen verwoben. Man könnte auch sagen, daß die beiden Musiker es geradezu meisterhaft verstehen, die Philosophie (Ich wage einmal diesen Ausdruck zu benutzen) der Berliner Schule vom angestaubten Esoterik-Image zu befreien und auf die Tanzflächen anspruchsvoller Trance- und Ambientparties zu transferieren.Dabei möchte ich diese Aussage nur als Kern ihres besonderen Könnens verstanden wissen, denn die Rückbesinnung auf eine vergangene Elektronik-Ära unter Einbindung tanzbarer Komponenten ist in unterschiedlicher Intensität auf ihren Stücken vertreten.
Bedauerlicherweise wagen sich Fanger und Kersten in den ersten 3 Stücken auf „Kontinuum“ und im Titelstück von „Interkosmos“ mit einem etwas überstrapazierten Vocodereinsatz auf fragwürdiges Terrain. Dabei ist nichts gegen den punktuellen effektorientierten Einsatz eines Vocoders einzuwenden; als Ersatz für phrasenartige Gesangspassagen mit Kraftwerk-Dejavu aber dann doch einigermaßen unpassend.
Von diesem Fehltritt einmal abgesehen, scheint dieses Kreativ-Duo jedoch alle guten Ideen für sich gepachtet zu haben und es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß sich in einer 7-minütigen Komposition von MIND-FLUX mehr innovative Energie verbirgt, als auf einer ganzen CD von Interpreten, die immer noch meinen, sie bräuchten nur den Sequenzer anschalten und könnten den Geist der Berliner-Schule durch endloses Improvisier-Gehabe zu neuem Leben erwecken.
Ein gewisser Marc Stewart umschreibt auf der Rückseite der CD „Kontinuum“ die hierauf verewigte Musik dann auch als „einen einzigartigen elektronischen Cocktail mit elektrifizierenden Beats, hypnotischen Sequenzen und verblüffenden Effekten“. Ein Urteil, dem ich mich nur uneingeschränkt anschließen kann, wobei auf den beiden längsten Titeln dieser CD, „Lunar Sunrise“ (13:24) und „Signals From Freddy Dreamer“ (12:59), diese Qualitäten ganz besonders gelungen herausgearbeitet wurden. Ein jeweils sanfter Aufbau, aus dem sich ein mitreißender Beat entwickelt und den Hörer bis zum letzten Ton in Atem hält.
Ganz besonders muß aber auch immer wieder die enorme Fähigkeit von Fanger und Kersten herausgestellt werden, ihre Kompositionen zu keinem Zeitpunkt langweilig oder monoton werden zu lassen und sich mit fast spielerischer Leichtigkeit auf einer konstant anspruchsvollen Ebene zu bewegen. Hier sei insbesondere auf die beiden ebenfalls längsten Titel auf „Interkosmos“ hingewiesen: „Nightshift“ (15:54) und „Searching“ (23:14) sind keine tanzbaren Titel im eigentlichen Sinne, aber an den beiden ausgefeilten Stücken läßt sich die Gratwanderung zwischen dem früheren Musikverständnis analoger Eelektronik und der neuzeitlichen Auffassung elektronischer Klanggebilde ganz besonders eindrucksvoll veranschaulichen. 2 außergewöhnliche Stücke, die ihre ganze Faszination erst bei genauerem Hinhören vollständig entfalten. Sie werden jeweils durchgängig von einer sanft pulsierenden Rhytmik getragen, über die sich ein festgelegtes Arrangement an ausgesuchten Klangfiguren bewegt. Ein kompliziertes Klanggefüge, das sich dem Hörer bei oberflächlicher Aufmerksamkeit nur bedingt erschließt. Richtig zugehört sind hier nämlich feingesponnene, aneinander überlagernde und sich ständig verschiebene Soundstrukturen zu entdecken, die von den beiden Klangkünstlern über die gesamte Spiellänge mit Tendenz zur Steigerung unaufhörlich variiert werden. Musik, die auch über lange Strecken zu fesseln weiß und bei bewußtem Hören einen sanften Rausch entwickelt.
Was MIND-FLUX darüber hinaus besonders wohltuend von anderen Vertretern dieses Genres unterscheidet, ist die Fähigkeit, ihren Kompositionen immer einen wohldosierten Groove beizumengen, so daß sie sich von den oftmals technisch bis metallisch klingenden und dadurch etwas steril wirkenden Arbeiten anderer Kollegen angenehm abgrenzen.
Stephan Behn (20.02.2000)

Tracklist "Kontinuum":

Kontinuum (04.56)
Solar Eclipse 99 Part I (06.35)
Solar Eclipse 99 Part II (04.50)
Time Invaders (09.45)
Space Performer (10.00)
Lunar Sunrise (13.24)
Zero Gravity (07.10)
Return To Reality? (03.51)
Signals From Freddy Dreamer (12.59)

Tracklist "Interkosmos":

Interkosmos (10.04)
New Times (08.37)
Deep Sleep (08.58)
Nightshift (15.54)
Searched (23.14)
Black Hole (06.08)

Weitere empfehlenswerte CDs:

MIND-FLUX: „Collision“ (1996)
MIND-FLUX: „Konception Of Space“ (1997)
Fanger & Kersten: „Script“ (1997)
Fanger & Kersten: „Splashdown“ (2000)

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