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Paul Vnuk: Silnece Speaks In Shadow

Stilrichtung: Ambient

Hypnos, UPC 75390-71263-27 (2001)

Musiker: Paul Vnuk Jr. (electronics)

Paul Vnuk ist vielleicht besser bekannt als die eine Hälfte des Ambient-Duos Ma Ja Le, das in diesem Genre einen besonders angesehenen Status genießt. Sein Kompagnon Chris Short hat dann auch dieses erste Solo-Album, das von Vnuk mit „Psycho Environmental Music“ untertitelt wurde, produziert. Eine Gemeinschaftsarbeit in neuverteilten Rollen also, die im Ergebnis wieder einmal eine ausgezeichnete Leistung vorlegt.
„Silence Speaks In Shadow“ ist ein urbanes Sound-Environment, das die Stimmung einer industriellen Großstadt bei Regen zum Thema hat. Eine Stimmung, die, wie Vnuk selbst erläutert, sich auf die Seele seltsam beruhigend auswirken kann. Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass das 74-minütige (Kunst-) Werk hintergründig von permanenten Regen- und Donnergeräuschen durchzogen ist. Dazu entwirft Vnuk mit viel Fingerspitzengefühl eine durchlässig schimmernde und subtil ausgewogene Soundtextur, deren sphärisches Design ein eher futuristisches Stadtbild skizziert. Die weiche Ausmalung der transparenten Klangfarben wird dabei mit zartgliedrigen Elementen klar umrissen und vermittelt präzise Ästhetik. Verhältnismäßig leise eingespielte Großstadtgeräusche, wie vorbeifahrende Autos auf regennasser Fahrbahn, Stimmfragmente von Passanten oder aufheulende Kojaksirenen erwecken den nicht ungewollten Eindruck am offen Fenster zu horchen und verschwimmen mit Vnuk´s phantasievoll durchkonstruierter Klangkulisse.
Die reinigende und regenerierende Frische, die mit starkem Regen oder Gewitter assoziiert wird, überträgt sich auf den Hörer und wirkt entspannend bis anregend. Daneben verbreitet das elegant weitschweifende Klangerüst aber auch eine beunruhigende Atmosphäre, entwickelt eine sanfte, beinah physisch wahrnehmbare Kälte und umgibt das Werk mit knisternder Spannung.
Paul Vnuk´s urbane, leicht utopisch anmutende Klang-Inszenierung ist konsequent gleichbleibend im Ausdruck und verliert dennoch über die Länge von weit mehr als einer Stunde nicht an Intensität. Dieses liegt vor allem an seiner Fähigkeit, dieses sehr bildhaft geratene Stück auf fast unmerkliche Weise mannigfaltig zu variieren und somit auf eher unterschwellige Weise der Langeweile entgegenzuwirken. Bei genauem Hinhören ist sogar festzustellen, das der Regen an unterschiedlichen Orten mitgeschnitten wurde und mal tröpfelnd bis prasselnd oder gar stürmisch die edlen Soundkreationen durchflutet. Die Stimmung des von Unwetter beeinflußten Stadtlebens wird dadurch noch einmal um einige Details bereichert und gewinnt ein noch höheres Maß an Komplexität.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, ist Paul Vnuk mit „Silence Speaks In Shadow“ eine makellose Arbeit gelungen. Das perfekte Ineinandergreifen von städtischen Alltagsgeräuschen und klanglich ausgereiften Soundgebilden wurde nuancenreich ausgearbeitet und unterstreicht den mentalen Effekt, den Vnuk auf musikalischem Wege verdeutlichen wollte.
Stephan Behn (17.10.2001)

Tracklist:

Silence Speaks In Shadow (73.58)

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