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Paul
Vnuk ist vielleicht besser bekannt als die eine Hälfte
des Ambient-Duos Ma Ja Le, das in diesem Genre einen
besonders angesehenen Status genießt. Sein Kompagnon
Chris Short hat dann auch dieses erste Solo-Album, das
von Vnuk mit „Psycho Environmental Music“
untertitelt wurde, produziert. Eine Gemeinschaftsarbeit
in neuverteilten Rollen also, die im Ergebnis wieder
einmal eine ausgezeichnete Leistung vorlegt.
„Silence Speaks In Shadow“ ist ein urbanes
Sound-Environment, das die Stimmung einer industriellen
Großstadt bei Regen zum Thema hat. Eine Stimmung, die,
wie Vnuk selbst erläutert, sich auf die Seele seltsam
beruhigend auswirken kann. Es ist also nicht weiter
erstaunlich, dass das 74-minütige (Kunst-) Werk
hintergründig von permanenten Regen- und Donnergeräuschen
durchzogen ist. Dazu entwirft Vnuk mit viel
Fingerspitzengefühl eine durchlässig schimmernde und
subtil ausgewogene Soundtextur, deren sphärisches
Design ein eher futuristisches Stadtbild skizziert. Die
weiche Ausmalung der transparenten Klangfarben wird
dabei mit zartgliedrigen Elementen klar umrissen und
vermittelt präzise Ästhetik. Verhältnismäßig leise
eingespielte Großstadtgeräusche, wie vorbeifahrende
Autos auf regennasser Fahrbahn, Stimmfragmente von
Passanten oder aufheulende Kojaksirenen erwecken den
nicht ungewollten Eindruck am offen Fenster zu horchen
und verschwimmen mit Vnuk´s phantasievoll
durchkonstruierter Klangkulisse.
Die reinigende und regenerierende Frische, die mit
starkem Regen oder Gewitter assoziiert wird, überträgt
sich auf den Hörer und wirkt entspannend bis anregend.
Daneben verbreitet das elegant weitschweifende Klangerüst
aber auch eine beunruhigende Atmosphäre, entwickelt
eine sanfte, beinah physisch wahrnehmbare Kälte und
umgibt das Werk mit knisternder Spannung.
Paul Vnuk´s urbane, leicht utopisch anmutende
Klang-Inszenierung ist konsequent gleichbleibend im
Ausdruck und verliert dennoch über die Länge von weit
mehr als einer Stunde nicht an Intensität. Dieses liegt
vor allem an seiner Fähigkeit, dieses sehr bildhaft
geratene Stück auf fast unmerkliche Weise mannigfaltig
zu variieren und somit auf eher unterschwellige Weise
der Langeweile entgegenzuwirken. Bei genauem Hinhören
ist sogar festzustellen, das der Regen an
unterschiedlichen Orten mitgeschnitten wurde und mal tröpfelnd
bis prasselnd oder gar stürmisch die edlen
Soundkreationen durchflutet. Die Stimmung des von
Unwetter beeinflußten Stadtlebens wird dadurch noch
einmal um einige Details bereichert und gewinnt ein noch
höheres Maß an Komplexität.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, ist Paul Vnuk
mit „Silence Speaks In Shadow“ eine makellose Arbeit
gelungen. Das perfekte Ineinandergreifen von städtischen
Alltagsgeräuschen und klanglich ausgereiften
Soundgebilden wurde nuancenreich ausgearbeitet und
unterstreicht den mentalen Effekt, den Vnuk auf
musikalischem Wege verdeutlichen wollte.
Stephan Behn (17.10.2001)
Tracklist:
Silence Speaks In Shadow (73.58) |