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Folge
Nr. 8 ist dieses Mal ein gelungener Live-Mitschnitt vom
23. Jazz Festival in der Hamburger ”Fabrik” vom
23.04.99. Die mehr als sechsjährige kontinuierliche
Zusammenarbeit zwischen Namlook und Schulze mit dem
Resultat von nunmehr 8 Alben hat sich mittlerweile
bezahlt gemacht; und zwar nicht nur für die Musiker
(ich wünsche es den Beiden jedenfalls), sondern
insbesondere auch für das Publikum. Eine fruchtbare
Zusammenarbeit, die meiner Meinung nach daher zustande
kommt, daß Schulze und Namlook sich in ihrer Arbeit
aneinander respektieren und inspirieren und keiner von
beiden versucht dem anderen seinen Stempel aufzudrücken.
So kommen beide zu einem gemeinsamen Fortschritt in
ihrer Musik, an dem sie durch regelmäßige Veröffentlichungen
auch ihre Hörerschaft teilhaben lassen.
Natürlich liegt weiterhin die Vermutung nahe, daß sich
das Duo mit der Idee der ”Dark Side Of The
Moog”-Serie eine Art ”Corporate Identity”
geschaffen hat, die auf den Drang des Konsumenten nach
Vollständigkeit der eigenen Sammlung abzielt und bei
der irgendwann der Punkt erreicht werden soll (oder
schon erreicht wurde), an dem sich die Platten wie von
selbst verkaufen; Doch zum einen wäre dies vollkommen
legitim und zum anderen bieten Namlook und Schulze mit
jeder Folge der Moog-Serie immer noch Qualität und
Originalität und setzen somit weiterhin Maßstäbe im
Ambient-Club-Genre.
Mit knapp 77 Minuten an der Grenze der Speicherkapazität
angelangt, wurden, wieder einmal in Anlehnung an einen
alten Pink Floyd-Titel, 8 ineinander übergehende Stücke
mit ”Careful With The AKS, Peter” überschrieben.
Dabei stehen rhytmische und ruhigere Passagen in einem
ausgewogenem Verhältnis zueinander und ergeben einen in
sich geschlossenen und abwechslungsreichen
Gesamteindruck. Teil 1 vereinnahmt mit 25 Minuten
bereits ein Drittel der Gesamtlänge. Mit perkussiven
und stimmlichen Elementen wird eine fremdartige, fast
surrealistische Atmosphäre erzeugt, wobei sich die
rhytmische Ausgestaltung in den ersten 15 Minuten an
Schulzes Kompositionen aus den Jahren 1990-95
orientiert, die dann aber in gekonnter Steigerung zum
Ende hin mit einem zusätzlich einsetzendem
Sequenzerrhytmus unterlegt wird.
Nach einer ruhigeren Phase ist dann der mit einem
grandiosem Groove untermalte Track 4 zu hören, abgelöst
wiederum durch sparsam improvisierte Klänge, die dann
in den stressbeladenen Teil übergehen, in dem Schulze
wieder einmal nicht umhin kann, seinem Publikum über
ca. 5 Minuten mit kreischend schrillen
Moogimprovisationen den letzten Nerv zu rauben (aber der
Hörer soll ja wohl auch immer wieder die “dunkle
Seite” des Moogs kennenlernen).
Im Anschluß darf sich Pete Namlook seinerseits dann
noch einmal so richtig auf seinen Drumcomputern
austoben, bis dann im Finale in gedämpfter Dramatik die
Vorstellung sanft zum Ende gelangt.
Über das Musikalische hinaus ist es recht wohltuend
wieder einmal ein paar Publikumsreaktionen, wenn auch
nur schemenhaft, auf einem Live-Album von KS zu hören.
Die von Schulze in den neunziger Jahren live
eingespielten CDs ”Dresden Performance”, ”Dome
Events”, ”Wagner Desaster” und ”Dosburg
Online” können zwar in perfekter Studioqualität
genossen werden, mithilfe der digitalen Aufnahmetechnik
wurde jedoch aus einem jeweils einmaligen Live-Event,
sterile Konservenelektronik fabriziert.
Erinnern wir uns an das Jahr 1980, in dem sein
Doppel-Album ”...Live...” erschien: Seine schon drei
Jahre später revidierte Absicht mit ”...Live...”
seine erste und zugleich letzte Live-Platte abgeliefert
zu haben ist ja den Meisten bekannt. Darüber hinaus war
aber auf selbigem Cover auch zu lesen: ” Nebengeräusche
und Raumakustik gehören zur Live-Situation. Vielleicht
erkennt der eine oder andere seine Zwischenrufe
wieder”. Der klägliche Versuch, diese voreilig
gemachte Aussage 14 Jahre später auf dem Album ”Das
Wagner Desaster” mit einem 30 Jahre alten (also noch
vor Erscheinen von ”...Live...”)
pseudophilosophischen Zitat von Eric Dolphy in die
entgegengesetzte Richtung zu biegen und dabei im
folgenden Text zwischen den Zeilen immer wieder
durchblicken zu lassen, mit welch einem Tastengenie es
der Hörer hier zu tun hat, kann dann wohl auch den
eingefleischtesten Schulze-Fan kaum noch überzeugen.
Auch im Elektronikmetier kann ein bißchen weniger
High-Tech manchmal Mehr sein. Ein Live-Mitschnitt kann
auch die Chance sein, ein gewisses Maß an
Menschlichkeit und Nähe zum Zuhörer zu transportieren.
Dann ist vielleicht auf irgendeiner zukünftigen Live-CD
von KS auch einmal der Zwischenruf aus dem Publikum zu hören,
der ihn seit Beginn seiner Karriere immer wieder auf
seinen Konzerten begleitet: ”Klaus, hau´ rein”. In
diesem Sinne... Stephan Behn (22.08.1999)
Tracklist:
Careful With The AKS, Peter Part I (25.16)
Careful With The AKS, Peter Part II (01.12)
Careful With The AKS, Peter Part III (06.18)
Careful With The AKS, Peter Part IV (08.08)
Careful With The AKS, Peter Part V (04.35)
Careful With The AKS, Peter Part VI (15.39)
Careful With The AKS, Peter Part VII (06.58)
Careful
With The AKS, Peter Part VIII (08.39) |