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Pete Namlook & Klaus Schulze: The Dark Side Of The Moog 8

Stilrichtung: moderne, zeitgemäße Elektronik mit Ambient- und Chill Out-Einflüssen

FAX, PK 08/146 (1999)

Musiker: Pete Namlook (electronics) und Klaus Schulze (electronics)

Folge Nr. 8 ist dieses Mal ein gelungener Live-Mitschnitt vom 23. Jazz Festival in der Hamburger ”Fabrik” vom 23.04.99. Die mehr als sechsjährige kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Namlook und Schulze mit dem Resultat von nunmehr 8 Alben hat sich mittlerweile bezahlt gemacht; und zwar nicht nur für die Musiker (ich wünsche es den Beiden jedenfalls), sondern insbesondere auch für das Publikum. Eine fruchtbare Zusammenarbeit, die meiner Meinung nach daher zustande kommt, daß Schulze und Namlook sich in ihrer Arbeit aneinander respektieren und inspirieren und keiner von beiden versucht dem anderen seinen Stempel aufzudrücken. So kommen beide zu einem gemeinsamen Fortschritt in ihrer Musik, an dem sie durch regelmäßige Veröffentlichungen auch ihre Hörerschaft teilhaben lassen.
Natürlich liegt weiterhin die Vermutung nahe, daß sich das Duo mit der Idee der ”Dark Side Of The Moog”-Serie eine Art ”Corporate Identity” geschaffen hat, die auf den Drang des Konsumenten nach Vollständigkeit der eigenen Sammlung abzielt und bei der irgendwann der Punkt erreicht werden soll (oder schon erreicht wurde), an dem sich die Platten wie von selbst verkaufen; Doch zum einen wäre dies vollkommen legitim und zum anderen bieten Namlook und Schulze mit jeder Folge der Moog-Serie immer noch Qualität und Originalität und setzen somit weiterhin Maßstäbe im Ambient-Club-Genre.
Mit knapp 77 Minuten an der Grenze der Speicherkapazität angelangt, wurden, wieder einmal in Anlehnung an einen alten Pink Floyd-Titel, 8 ineinander übergehende Stücke mit ”Careful With The AKS, Peter” überschrieben. Dabei stehen rhytmische und ruhigere Passagen in einem ausgewogenem Verhältnis zueinander und ergeben einen in sich geschlossenen und abwechslungsreichen Gesamteindruck. Teil 1 vereinnahmt mit 25 Minuten bereits ein Drittel der Gesamtlänge. Mit perkussiven und stimmlichen Elementen wird eine fremdartige, fast surrealistische Atmosphäre erzeugt, wobei sich die rhytmische Ausgestaltung in den ersten 15 Minuten an Schulzes Kompositionen aus den Jahren 1990-95 orientiert, die dann aber in gekonnter Steigerung zum Ende hin mit einem zusätzlich einsetzendem Sequenzerrhytmus unterlegt wird.
Nach einer ruhigeren Phase ist dann der mit einem grandiosem Groove untermalte Track 4 zu hören, abgelöst wiederum durch sparsam improvisierte Klänge, die dann in den stressbeladenen Teil übergehen, in dem Schulze wieder einmal nicht umhin kann, seinem Publikum über ca. 5 Minuten mit kreischend schrillen Moogimprovisationen den letzten Nerv zu rauben (aber der Hörer soll ja wohl auch immer wieder die “dunkle Seite” des Moogs kennenlernen).
Im Anschluß darf sich Pete Namlook seinerseits dann noch einmal so richtig auf seinen Drumcomputern austoben, bis dann im Finale in gedämpfter Dramatik die Vorstellung sanft zum Ende gelangt.
Über das Musikalische hinaus ist es recht wohltuend wieder einmal ein paar Publikumsreaktionen, wenn auch nur schemenhaft, auf einem Live-Album von KS zu hören. Die von Schulze in den neunziger Jahren live eingespielten CDs ”Dresden Performance”, ”Dome Events”, ”Wagner Desaster” und ”Dosburg Online” können zwar in perfekter Studioqualität genossen werden, mithilfe der digitalen Aufnahmetechnik wurde jedoch aus einem jeweils einmaligen Live-Event, sterile Konservenelektronik fabriziert.
Erinnern wir uns an das Jahr 1980, in dem sein Doppel-Album ”...Live...” erschien: Seine schon drei Jahre später revidierte Absicht mit ”...Live...” seine erste und zugleich letzte Live-Platte abgeliefert zu haben ist ja den Meisten bekannt. Darüber hinaus war aber auf selbigem Cover auch zu lesen: ” Nebengeräusche und Raumakustik gehören zur Live-Situation. Vielleicht erkennt der eine oder andere seine Zwischenrufe wieder”. Der klägliche Versuch, diese voreilig gemachte Aussage 14 Jahre später auf dem Album ”Das Wagner Desaster” mit einem 30 Jahre alten (also noch vor Erscheinen von ”...Live...”) pseudophilosophischen Zitat von Eric Dolphy in die entgegengesetzte Richtung zu biegen und dabei im folgenden Text zwischen den Zeilen immer wieder durchblicken zu lassen, mit welch einem Tastengenie es der Hörer hier zu tun hat, kann dann wohl auch den eingefleischtesten Schulze-Fan kaum noch überzeugen.
Auch im Elektronikmetier kann ein bißchen weniger High-Tech manchmal Mehr sein. Ein Live-Mitschnitt kann auch die Chance sein, ein gewisses Maß an Menschlichkeit und Nähe zum Zuhörer zu transportieren. Dann ist vielleicht auf irgendeiner zukünftigen Live-CD von KS auch einmal der Zwischenruf aus dem Publikum zu hören, der ihn seit Beginn seiner Karriere immer wieder auf seinen Konzerten begleitet: ”Klaus, hau´ rein”. In diesem Sinne... Stephan Behn (22.08.1999)

Tracklist:

Careful With The AKS, Peter Part I (25.16)
Careful With The AKS, Peter Part II (01.12)
Careful With The AKS, Peter Part III (06.18)
Careful With The AKS, Peter Part IV (08.08)
Careful With The AKS, Peter Part V (04.35)
Careful With The AKS, Peter Part VI (15.39)
Careful With The AKS, Peter Part VII (06.58)
Careful With The AKS, Peter Part VIII (08.39)

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