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Nach
ihrem nur wenig denkwürdigen Auftritt auf dem Klem-dag
´97 in Nijmegen war auch das Konzert auf dem
Alpha-Centauri-Festival am 25.03.00 erwartungsgemäß
von Mittelmäßigkeit geprägt.
Die drei Protagonisten Dinsdale, Goddard und Houghton
gaben sich auf der Bühne betont lässig (alle 3
kaugummikauend), konnten damit aber den etwas
unvorbereiteten und lustlosen Eindruck, den das Konzert
hinterließ, kaum kaschieren. Zum Warmwerden etwas
Improvisiertes, dann zwei drei Titel aus ihrem bisher
erschienenen Repertoire und zum Schluß noch etwas
Neues. Kein Titel im Programm, der im Publikum so etwas
wie Enthusiasmus entfachen konnte. Auch die Bühnentechnik
war an Einfallslosigkeit nicht mehr zu unterbieten. Die
Idee einer Videokamera, die das gesamte Konzert über
mit einer einzigen festgelegten Einstellung (!) das Bühnengeschehen
auf eine mittelgroße Leinwand über den Köpfen der
Musiker projiziert, muß die Frage zulassen: Was soll
das???
Somit wurde leider wieder einmal eine Chance vertan,
sich vor einem rein EM-interessierten Publikum
wirkungsvoll zu verkaufen. Zumindest konnte es sich
Steve Dinsdale (wieder einmal ganz imagebewußt in
Zebra-Jacke) dieses Mal verkneifen seine Tasten
zigaretterauchend zu bedienen und das ist ja auch schon
etwas. Insgesamt gesehen jedoch eine Darbietung, die mit
Sicherheit nicht zu einer wesentlichen Umsatzsteigerung
ihrer letzten CD „Upstairs Downstairs“ (am selbigen
Tag erschienen) beitragen konnte. Dabei haben sie auf
dieser Live-CD weit mehr zu bieten als ihre magere
Vorstellung befürchten ließ.
Die Aufnahmen stammen von mehreren Konzertmitschnitten
aus den Jahren ´97 und ´98 in London und dem bereits
oben erwähnten Auftritt auf dem Klem-dag in Holland (vergl.
Auch CDR „A Bridge Too Far“), wobei in 2 von 3 Fällen
mehrere Mitschnitte zu einem neuen Stück verschmolzen
wurden. Ein abenteuerliches Unterfangen, das trotz
seiner fragmentartigen Zusammensetzung einen ungemein
geschlossenen Eindruck vermittelt.
Das erste und mit 42 Minuten zugleich längste Stück
beginnt, natürlich nicht weiter überraschend, mit
einem flächenhaft gestreckten Sound-Intro, wobei RMI
hier erneut unter Beweis stellen, daß auch ein
gedehnter Aufbau über 10 Minuten nicht an Kraft und
Spannung zu verlieren braucht.
Der nachfolgende ca. 8-minütige Sequenzerteil gestaltet
sich als improvisierte Einlage, wie so oft beim
spontanen Zusammenspiel, ein wenig holprig und
unausgegoren, um dann wiederum in eine ruhigere Phase
mit verschlungen weitschweifigen Soundmustern
einzudringen. Der anschließende Schlußakt von Part I
ist dann das ganz besondere Ereignis dieser CD und
demonstriert das eigentliche Niveau von RMI, das auf den
Konzerten in Holland so schmerzlich zu vermissen war.
Durch die für RMI so typischen, tiefgängigen beinahe
sakralen Soundgebilde, die sich wie langgezogene satte
Schleier über einen flirrenden Teppich von mitreißenden
sowie ideenreich ausgetüftelten Sequenzerläufen
senken, werden die letzten 15 Minuten von Part I auf
herausragende Weise zu einem hinreißenden, fast
magischen Konzerterlebnis und stellen den unumstrittenen
Höhepunkt dieser Live-CD dar.
Über die gewaltige Distanz von mehr als 40 Minuten
beeindruckt Part I so mit einem klug gesteigerten
Aufbau, der zum Ende hin zunehmend beflügelt und leise
berauscht. Der tosende Beifall, der nur ganz am Ende
dieser CD eingeblendet wurde, wäre daher im Anschluß
an Part I besser platziert gewesen.
Während in den 14 Minuten von Part II noch eine starke
Anlehnung am damalig aktuellen Album „Organ Harvest“
zu bemerken ist, bietet das ebenfalls 14-minütige Part
III wieder schnellpulsierende, schwerelos
ineinandergreifende Sequenzerrhythmen mit viel
70er-Jahre-Profil, um dann in den letzten Zügen erneut
mit einem ruhig inszenierten Klanggebilde behutsam zum
Ende zu gelangen.
Trotz der anfänglich etwas harsch geratenen Kritik anläßlich
ihrer Auftritte zu den EM-Festivals, kann „Upstairs
Downstairs“ immer noch mit reinem Gewissen für
Liebhaber der traditionell analogen Elektronik empfohlen
werden. Es betrübt nur ein wenig, daß die drei Musiker
bislang nicht gewillt sind, sich von ihrem eingefahrenen
Garagenband-Image zu lösen und sich mit überwiegend
improvisierten Einspielungen zu oft unter Wert
verkaufen. RMI können mehr; Das zeigen immer wieder
ihre enormen Geistesblitze, die auch auf dem aktuellen
Album anzutreffen sind. Eine Verlagerung hin zu weniger
Improvisation und mehr Komposition würde ihrer Musik
mit Sicherheit gut tun und sich in einem konstant
hohen Niveau ihrer Auftritte und Veröffentlichungen zu
erkennen geben. Stephan Behn (29.03.2000)
Tracklist:
Upstairs Downstairs Part I (42.09)
Upstairs Downstairs Part II (14.32)
Upstairs Downstairs Part III (14.51)
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