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„Grenzen
ausloten“, so hätte dieses Album auch überschrieben
sein können. Und laut Cover-Text machen RMI gar nicht
erst einen Hehl daraus, sondern erklären, dass es ihnen
ein Bedürfnis ist auch die extremeren Resultate ihrer
improvisierten Einspielungen zu veröffentlichen und
damit die Geduld der Hörer auf die Probe zu stellen.
Dabei überrascht zunächst einmal die Titel-Auswahl. Während
die ersten beiden Aufnahmen mit 7 bzw. 52 Minuten 1996
entstanden sind, stammt das 11-minütige Titelstück aus
dem Jahre 1980; inspiriert durch Eindrücke und
Erlebnisse einer Reise durch die Wüste Kaliforniens,
verbunden mit einem Abstecher zu einem hiesigen Areal
namens Zabriskie Point. War man vielleicht bisher davon
ausgegangen, dass RMI erst Mitte der Neunziger mit
Wiederentdecken der Berliner Schule zusammengefunden
haben, so wird man also spätestens mit Erscheinen
dieser CD eines Besseren belehrt. Es darf also ruhig die
Frage gestellt werden: „Was ist eigentlich in den
dazwischenliegenden 15 Jahren passiert?“.
Nicht viel, sollte man vermuten, denn stilistisch
unterscheiden sich die 3 Stücke so gut wie überhaupt
nicht von einander. Der Grenzcharakter dieses Albums
entsteht durch die rhytmuslose Minimierung sämtlicher
Stücke zu einem außerordentlich gleichförmig
verlaufenden und in dunklen Farben gehaltenen
Stimmungsbild. Töne, wie man sie von Dinsdale, Houghton
und Goddard eigentlich schon zur Genüge kennt, nur
dieses Mal ausgereizt bis zur Schmerzgrenze.
Dabei ist „Zabriskie Point“ rein musikalisch
betrachtet weit weniger gewöhnungsbedürftig als man
denken möchte und stellt so manch eine
Dark-Ambient-Produktion von Künstlern, die auf diesem
Gebiet spezialisiert sind, in den Schatten.
Die Improvisationen sind von diabolischer Kühle
durchsetzt und werden von einem frostig düsteren
Gitarren-Sound überspannt. Sehr gedehnt vorgetragen und
mit ineinandergreifenden Endlosschleifen sowie
langanhaltenen Nachhalleffekten stark verlangsamt. Alles
gut anzuhören, aber von Radio Massacre International
erwartet man da einfach mehr. Denn die erdig
spannungsvolle Grundstimmung versetzt den Hörer in eine
steigende Erwartungshaltung, die nach 70 Minuten mit
Verklingen des letzten Akkordes nur unbefriedigt bleibt.
Manchmal ist Weniger ja Mehr, doch der vollständige
Verzicht auf rhythmische Elemente und das Weglassen der
sonst so beeindruckenden Sequenzer-Kreationen ergeben im
Fall von RMI ein nur unvollständiges Gesamtbild und
vermitteln keine neuen Facetten im Schaffen der 3
Musiker. Stephan Behn (25.05.2001)
Tracklist:
Ha´Penny Bridge (07.26)
Dante´s View (52.33)
Zabriskie Point (10.57)
Empfehlenswerte CDs von RMI:
Frozen North (1995)
Republic (1996)
Knutsford In May (1996)
Organ Harvest (1997)
Diabolica (1997)
Borrowed Atoms (1998)
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