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Radio Massacre International: Zabriskie Point

Stilrichtung: Dark Ambient mit analogen Sounds

Centaur Discs Ltd, CENCD 027 (2000)

Musiker: Gary Houghton (gt., electronics), Duncan Goddard (electronics), Steve Dinsdale (electronics)

„Grenzen ausloten“, so hätte dieses Album auch überschrieben sein können. Und laut Cover-Text machen RMI gar nicht erst einen Hehl daraus, sondern erklären, dass es ihnen ein Bedürfnis ist auch die extremeren Resultate ihrer improvisierten Einspielungen zu veröffentlichen und damit die Geduld der Hörer auf die Probe zu stellen.
Dabei überrascht zunächst einmal die Titel-Auswahl. Während die ersten beiden Aufnahmen mit 7 bzw. 52 Minuten 1996 entstanden sind, stammt das 11-minütige Titelstück aus dem Jahre 1980; inspiriert durch Eindrücke und Erlebnisse einer Reise durch die Wüste Kaliforniens, verbunden mit einem Abstecher zu einem hiesigen Areal namens Zabriskie Point. War man vielleicht bisher davon ausgegangen, dass RMI erst Mitte der Neunziger mit Wiederentdecken der Berliner Schule zusammengefunden haben, so wird man also spätestens mit Erscheinen dieser CD eines Besseren belehrt. Es darf also ruhig die Frage gestellt werden: „Was ist eigentlich in den dazwischenliegenden 15 Jahren passiert?“.
Nicht viel, sollte man vermuten, denn stilistisch unterscheiden sich die 3 Stücke so gut wie überhaupt nicht von einander. Der Grenzcharakter dieses Albums entsteht durch die rhytmuslose Minimierung sämtlicher Stücke zu einem außerordentlich gleichförmig verlaufenden und in dunklen Farben gehaltenen Stimmungsbild. Töne, wie man sie von Dinsdale, Houghton und Goddard eigentlich schon zur Genüge kennt, nur dieses Mal ausgereizt bis zur Schmerzgrenze.
Dabei ist „Zabriskie Point“ rein musikalisch betrachtet weit weniger gewöhnungsbedürftig als man denken möchte und stellt so manch eine Dark-Ambient-Produktion von Künstlern, die auf diesem Gebiet spezialisiert sind, in den Schatten.
Die Improvisationen sind von diabolischer Kühle durchsetzt und werden von einem frostig düsteren Gitarren-Sound überspannt. Sehr gedehnt vorgetragen und mit ineinandergreifenden Endlosschleifen sowie langanhaltenen Nachhalleffekten stark verlangsamt. Alles gut anzuhören, aber von Radio Massacre International erwartet man da einfach mehr. Denn die erdig spannungsvolle Grundstimmung versetzt den Hörer in eine steigende Erwartungshaltung, die nach 70 Minuten mit Verklingen des letzten Akkordes nur unbefriedigt bleibt.
Manchmal ist Weniger ja Mehr, doch der vollständige Verzicht auf rhythmische Elemente und das Weglassen der sonst so beeindruckenden Sequenzer-Kreationen ergeben im Fall von RMI ein nur unvollständiges Gesamtbild und vermitteln keine neuen Facetten im Schaffen der 3 Musiker. Stephan Behn (25.05.2001)

Tracklist:

Ha´Penny Bridge (07.26)
Dante´s View (52.33)
Zabriskie Point (10.57)

Empfehlenswerte CDs von RMI:

Frozen North (1995)
Republic (1996)
Knutsford In May (1996)
Organ Harvest (1997)
Diabolica (1997)
Borrowed Atoms (1998)
Upstairs Downstairs (2000)

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