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Redshift: Siren / Halo

Stilrichtung: Berliner Schule

Siren: Distant Sun Production, DS01 (2002)
Halo: Distant Sun Production, DS02 (2002)

Musiker: Mark Shreeve (electronics)

Als am 10. April 1999 Mark Shreeve und seine Formation Redshift ihr umjubeltes Konzert auf dem Alpha Centauri Festival in Huizen / Holland absolvierten, rechnete damals wohl niemand damit, dass erst 3 ½ Jahre später der Mitschnitt auf CD veröffentlicht werden würde. Und da von Redshift in der Zwischenzeit auch sonst kein Album erschienen ist, gibt es zeitgleich mit Halo (sozusagen als Entschädigung) von Ihnen nun endlich auch wieder ein Studio-Werk mit ausschließlich neuen Kompositionen.
Doch zunächst
zur Live-CD mit dem Titel Siren: Bei ihrem Auftritt in Huizen orientierten sich Redshift besonders rigide, fast provokant an Tangerine Dream´s 70er-Jahre-Stil und versteiften sich in ihrem Soundkonzept auf bekannte Muster aus Rubycon und Ricochet. Dennoch präsentierten sich Redshift nicht als plattes TD-Plagiat und boten ihrem Publikum während einer guten Stunde ein sehr spannendes und temporeiches Konzerterlebnis, das hiermit begrüßenswerterweise noch einmal auf CD dokumentiert wird. Souverän und stilsicher gelingt es ihnen sehr geschickt den urwüchsigen Charakter einer unvergessenen Ära herauszuschälen und gleichzeitig den 70er-Jahre-Muff abzustreifen. Das Programm ist durch einen sehr ausbalancierten Kontrast von ruhigen und rasant gestalteten Abschnitten bestimmt, wobei die langsamen Passagen nie in ermüdendes Soundgeplänkel ausufern. Besonders attraktiv nehmen sich darüber hinaus die perlend pulsierenden Sequenzerblöcke aus, die sich sehr trickreich und versponnen ineinander verschränken ohne verworren zu wirken. Selten wurden die rhythmischen Elemente der Berliner Schule so üppig und überschäumend konzipiert, wie auf diesem Album. Beinah zwangsläufig schrumpfen sie somit auf wenige Minuten zusammen und wirken schließlich ein wenig ruhelos, fast hastig heruntergespielt. Ein beflügelndes Gefühl, wie auf ihrem grandiosen Album Ether, stellt sich damit kaum noch ein. Dennoch, eine äußerst gelungene Darbietung, die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde.
Auf Halo sind Redshift dagegen bestrebt, ihren analogen Stil um weitere Facetten zu bereichern und sich allmählich von ihren
deutschen Vorbildern abzunabeln. Einzige Ausnahme: Das 14-minütige Titelstück, das sich so nah an Klaus Schulze´s Mirage lehnt, das es nicht mehr als eigenständige Komposition gewertet werden kann. Bereits ein Jahr zuvor war Wolfram Spyra mit „Bayreuth Return“ nicht nur ein schönes Schulze-Remake gelungen, er hat sich auch auf dem CD-Cover dazu bekannt. Redshift lassen diese verbale Annäherung im Klappentext leider vermissen und können sich noch nicht einmal ein „Inspired by K. S.“ abringen. Davon aber einmal abgesehen ist die gut 15 Minuten kürzere Fassung ein wahres Glanzstück geworden und verdeutlicht besonders gut, dass Redshift die seltene Gabe besitzen, ihre klassischen Elektronik-Strukturen mit Hang zur Melodik und zeitgemäßem Drive auszustatten.
Wie schon erwähnt, gefallen die 8 anderen Stücke vor allem durch ihre Vielseitigkeit, wobei der übergreifende Rahmen jedoch nicht gesprengt wird. Besonders sei hier das einleitende und sich im Aufbau wunderbar entwickelnde „Leviathan“ hervorgehoben sowie die beiden schnelleren Titel „Panzer“ und „Savage Messiah“, die aber schon wieder ein paar Affinitäten zu Rubycon erkennen lassen. England, das Land, in dem Tangerine Dream Mitte der 70er Jahre ihre größten Erfolge feierten, ist in den letzten Jahren zum Eldorado für Berliner-Schule-Fans gereift. Dabei gehören Redshift neben Radio Massacre International sicher zur Elite derjenigen Interpreten, die sich dem Comeback dieser Stilrichtung verpflichtet fühlen. Ihre Herangehensweise wirkt da manchmal etwas zu huldvoll und lehrbuchhaft, zeichnet sich im Allgemeinen aber durch hörbare Spielfreude aus. So auch bei diesen beiden Alben, die als unbedingtes Muss für Freunde der traditionellen Elektronik empfohlen werden können. ©
Stephan Behn

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