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Als am
10. April 1999 Mark Shreeve und seine Formation Redshift
ihr umjubeltes Konzert auf dem Alpha Centauri Festival
in Huizen / Holland absolvierten, rechnete damals wohl
niemand damit, dass erst 3 ½ Jahre später der
Mitschnitt auf CD veröffentlicht werden würde. Und da
von Redshift in der Zwischenzeit auch sonst kein Album
erschienen ist, gibt es zeitgleich mit Halo (sozusagen
als Entschädigung) von Ihnen nun endlich auch wieder
ein Studio-Werk mit ausschließlich neuen Kompositionen.
Doch zunächst zur
Live-CD mit dem Titel Siren: Bei ihrem Auftritt in
Huizen orientierten sich Redshift besonders rigide, fast
provokant an Tangerine Dream´s 70er-Jahre-Stil und
versteiften sich in ihrem Soundkonzept auf bekannte
Muster aus Rubycon und Ricochet. Dennoch präsentierten
sich Redshift nicht als plattes TD-Plagiat und boten
ihrem Publikum während einer guten Stunde ein sehr
spannendes und temporeiches Konzerterlebnis, das hiermit
begrüßenswerterweise noch einmal auf CD dokumentiert
wird. Souverän und stilsicher gelingt es ihnen sehr
geschickt den urwüchsigen Charakter einer unvergessenen
Ära herauszuschälen und gleichzeitig den
70er-Jahre-Muff abzustreifen. Das Programm ist durch
einen sehr ausbalancierten Kontrast von ruhigen und
rasant gestalteten Abschnitten bestimmt, wobei die
langsamen Passagen nie in ermüdendes Soundgeplänkel
ausufern. Besonders attraktiv nehmen sich darüber
hinaus die perlend pulsierenden Sequenzerblöcke aus,
die sich sehr trickreich und versponnen ineinander
verschränken
ohne verworren zu wirken. Selten wurden die rhythmischen
Elemente der Berliner Schule so üppig und überschäumend
konzipiert, wie auf diesem Album. Beinah zwangsläufig
schrumpfen sie somit auf wenige Minuten zusammen und
wirken schließlich ein wenig ruhelos, fast hastig
heruntergespielt. Ein beflügelndes Gefühl, wie auf
ihrem grandiosen Album Ether, stellt sich damit kaum
noch ein. Dennoch, eine äußerst gelungene Darbietung,
die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde.
Auf Halo sind Redshift dagegen bestrebt, ihren analogen
Stil um weitere Facetten zu bereichern und sich allmählich
von ihren deutschen Vorbildern abzunabeln. Einzige
Ausnahme: Das 14-minütige Titelstück, das sich so nah
an Klaus Schulze´s Mirage lehnt, das es nicht mehr als
eigenständige Komposition gewertet werden kann. Bereits
ein Jahr zuvor war Wolfram Spyra mit „Bayreuth
Return“ nicht nur ein schönes Schulze-Remake
gelungen, er hat sich auch auf dem CD-Cover dazu
bekannt. Redshift lassen diese verbale Annäherung im
Klappentext leider vermissen und können sich noch nicht
einmal ein „Inspired by K. S.“ abringen. Davon aber
einmal abgesehen ist die gut 15 Minuten kürzere Fassung
ein wahres Glanzstück geworden und verdeutlicht
besonders gut, dass Redshift die seltene Gabe besitzen,
ihre klassischen Elektronik-Strukturen mit Hang zur
Melodik und zeitgemäßem Drive auszustatten.
Wie schon erwähnt, gefallen die 8 anderen Stücke vor
allem durch ihre Vielseitigkeit, wobei der übergreifende
Rahmen jedoch nicht gesprengt wird. Besonders sei hier
das einleitende und sich im Aufbau wunderbar
entwickelnde „Leviathan“ hervorgehoben sowie die
beiden schnelleren Titel „Panzer“ und „Savage
Messiah“, die aber schon wieder ein paar Affinitäten
zu Rubycon erkennen lassen. England, das Land, in dem
Tangerine Dream Mitte der 70er Jahre ihre größten
Erfolge feierten, ist in den letzten Jahren zum Eldorado
für Berliner-Schule-Fans gereift. Dabei gehören
Redshift neben Radio Massacre International sicher zur
Elite derjenigen Interpreten, die sich dem Comeback
dieser Stilrichtung verpflichtet fühlen. Ihre
Herangehensweise wirkt da manchmal etwas zu huldvoll und
lehrbuchhaft, zeichnet sich im Allgemeinen aber durch hörbare
Spielfreude aus. So auch bei diesen beiden Alben, die
als unbedingtes Muss für Freunde der traditionellen
Elektronik empfohlen werden können. © Stephan
Behn |