Zur Startseite

Ron Boots: Tainted Bare Skin

Stilrichtung:Elektronik mit wesentlichen Elementen der Berliner Schule, aber auch Einflüssen aus Rock und Pop

Groove Unlimited 1998

Musiker: Ron Boots (electronics), Harold v.d. Heijden (dr., track 4, 5 u. 6)

Man muß weder Anhänger von Ron Boots sein noch Geld im Überfluß haben, um kein Wagnis beim Kauf seiner Platten eingehen zu wollen. Boots gehört sicher zu den wenigen E-Musikern,  die ungeachtet unterschiedlichster Stilrichtungen in der elektronischen Musik, übergreifend von den meisten EM-Liebhabern gern gehört werden. Seine Produktionen können somit als Standardwerke eingestuft werden, von denen sich früher oder später mindestens eines in der gutsortierten Sammlung eines jeden Elektonik-Liebhabers wiederfindet.
Dabei offenbart „Tainted Bare Skin“ kaum etwas Neues. Im bekannten Boots-Stil wird dem Hörer abwechselnd Durchschnittliches und Überdurchschnittliches, aber wie gewohnt nichts Unterdurchschnittliches (ausgenommen ein kleiner Ausrutscher) auf digitalem Silber präsentiert.
Also alles wie gehabt: Die meisten Stücke um die 10 Minuten, drei davon in seinem in die neunziger Jahre hinübertransferierten Berliner-Schule-Stil, wobei die Sequenzer-Passagen unaufdringlich mit einem Rhytmus aus dem Drum-Computer unterlegt werden.
Hilfestellung erhält Boots wieder einmal von seinem Landsmann Harold v.d. Heijden, der auf drei der sieben Titel an seinem noch nicht synthetisierten Schlagzeug zusätzlich rhytmische Akzente setzt.
„Gravity“ heißt der flotte Einstieg auf diesem Album und überzeugt schon nach wenigen Augenblicken, mit dieser Platte keinen Fehlkauf getätigt zu haben. Aufgrund des mitreißend pulsierenden Sequenzer-Fundaments hätte dieses Stück auch mit „Groovity“ betitelt werden können. Danach das Titelstück „Tainted Bare Skin“. Durch den anfänglich gestreckten Soudteppich, gefolgt von hintergründig erzeugter Ambient-Atmosphäre und dem sich nach und nach aufbauenden Sequenzerteil, wird dem Hörer spannende Musik in gekonnter Steigerung geboten.
„Freezin´ Heat“ ist der dritte Beitrag in der Sequenzer-Trilogie und steht den beiden zuvor genannten Stücken nur wenig nach.
1993 erschien von Ron Boots die CD „Different Stories & Twisted Tales“, auf der ihm mit dem Titel „Gwahir“ ein wahrer Geniestreich gelungen ist. Grundlegender Nachteil dieser einmaligen Komposition: Mit gerade einmal 6 Minuten ist dieses überwältigende Kleinod bildgewaltiger Elektronik viel zu kurz ausgefallen. Auf „Tainted Bare Skin“ kann Boots mit „Dewdrop Plungle“ zwar solide, in puncto Genialität jedoch nur ansatzweise an dieses Juwel anknüpfen. Aber vielleicht läßt er sich ja irgendwann dazu hinreißen, „Gwahir“ noch einmal zu überarbeiten und auf eine mindesten 15-minütige „Extended-Version“ auszudehnen.
Das mystisch angehauchte „Achouchemojha“ und das mit einem schleppenden Rhytmus unterlegte  „Déjá Vu“, verleihen „Tainted Bare Skin“ einen runden und abwechslungsreichen Gesamteindruck.     
Schlußlicht im wörtlichen wie auch übertragenden Sinne ist das 5-minütige „Dejection´s Cure“. Ein etwas naiv geratener und vollkommen überflüssiger Techno-Titel mit eingespülten Ambient-Effekten. Anzunehmen, daß dieser Titel nur ins Programm aufgenommen wurde, um die phosphor-leuchtend grüne Hülle zu rechtfertigen, in die diese CD verpackt wurde; Oder ist dieses vielleicht schon der Vorgeschmack auf die nächste Boots-Veröffentlichung. Hoffentlich nicht, sonst werde ich den ersten Satz dieser Kritik noch revidieren müssen. Stephan Behn (25.02.1999)

Tracklist:

Gravity Pull (11.31)
Tainted Bare Skin (13.22)
Achouchemojha (07.26)
Freezin´ Heat (11.25)
Dewdrop Plungle (09.46)
De’ja’ Vu (12.19)
Dejection´s Cure (05.04)

WEITERE CD-TIPPs FINDEN SIE HIER!