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Man
muß weder Anhänger von Ron Boots sein noch Geld im Überfluß
haben, um kein Wagnis beim Kauf seiner Platten eingehen
zu wollen. Boots gehört sicher zu den wenigen
E-Musikern, die
ungeachtet unterschiedlichster Stilrichtungen in der
elektronischen Musik, übergreifend von den meisten
EM-Liebhabern gern gehört werden. Seine Produktionen können
somit als Standardwerke eingestuft werden, von denen
sich früher oder später mindestens eines in der
gutsortierten Sammlung eines jeden Elektonik-Liebhabers
wiederfindet.
Dabei offenbart „Tainted Bare Skin“ kaum etwas
Neues. Im bekannten Boots-Stil wird dem Hörer
abwechselnd Durchschnittliches und Überdurchschnittliches,
aber wie gewohnt nichts Unterdurchschnittliches
(ausgenommen ein kleiner Ausrutscher) auf digitalem
Silber präsentiert.
Also alles wie gehabt: Die meisten Stücke um die 10
Minuten, drei davon in seinem in die neunziger Jahre hinübertransferierten
Berliner-Schule-Stil, wobei die Sequenzer-Passagen
unaufdringlich mit einem Rhytmus aus dem Drum-Computer
unterlegt werden.
Hilfestellung erhält Boots wieder einmal von seinem
Landsmann Harold v.d. Heijden, der auf drei der sieben
Titel an seinem noch nicht synthetisierten Schlagzeug
zusätzlich rhytmische Akzente setzt.
„Gravity“ heißt der flotte Einstieg auf diesem
Album und überzeugt schon nach wenigen Augenblicken,
mit dieser Platte keinen Fehlkauf getätigt zu haben.
Aufgrund des mitreißend pulsierenden
Sequenzer-Fundaments hätte dieses Stück auch mit „Groovity“
betitelt werden können. Danach das Titelstück „Tainted
Bare Skin“. Durch den anfänglich gestreckten
Soudteppich, gefolgt von hintergründig erzeugter
Ambient-Atmosphäre und dem sich nach und nach
aufbauenden Sequenzerteil, wird dem Hörer spannende
Musik in gekonnter Steigerung geboten.
„Freezin´ Heat“ ist der dritte Beitrag in der
Sequenzer-Trilogie und steht den beiden zuvor genannten
Stücken nur wenig nach.
1993 erschien von Ron Boots die CD „Different Stories
& Twisted Tales“, auf der ihm mit dem Titel „Gwahir“
ein wahrer Geniestreich gelungen ist. Grundlegender
Nachteil dieser einmaligen Komposition: Mit gerade
einmal 6 Minuten ist dieses überwältigende Kleinod
bildgewaltiger Elektronik viel zu kurz ausgefallen. Auf
„Tainted Bare Skin“ kann Boots mit „Dewdrop
Plungle“ zwar solide, in puncto Genialität jedoch nur
ansatzweise an dieses Juwel anknüpfen. Aber vielleicht
läßt er sich ja irgendwann dazu hinreißen, „Gwahir“
noch einmal zu überarbeiten und auf eine mindesten
15-minütige „Extended-Version“ auszudehnen.
Das mystisch angehauchte „Achouchemojha“ und das mit
einem schleppenden Rhytmus unterlegte
„Déjá Vu“, verleihen „Tainted Bare
Skin“ einen runden und abwechslungsreichen
Gesamteindruck.
Schlußlicht im wörtlichen wie auch übertragenden
Sinne ist das 5-minütige „Dejection´s Cure“. Ein
etwas naiv geratener und vollkommen überflüssiger
Techno-Titel mit eingespülten Ambient-Effekten.
Anzunehmen, daß dieser Titel nur ins Programm
aufgenommen wurde, um die phosphor-leuchtend grüne Hülle
zu rechtfertigen, in die diese CD verpackt wurde; Oder
ist dieses vielleicht schon der Vorgeschmack auf die nächste
Boots-Veröffentlichung. Hoffentlich nicht, sonst werde
ich den ersten Satz dieser Kritik noch revidieren müssen.
Stephan Behn (25.02.1999)
Tracklist:
Gravity
Pull (11.31)
Tainted Bare Skin (13.22)
Achouchemojha (07.26)
Freezin´ Heat (11.25)
Dewdrop Plungle (09.46)
De’ja’ Vu (12.19)
Dejection´s Cure (05.04)
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