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Es wäre
bestimmt kein Fehler, Saul Stokes als Schöngeist
charakterisieren zu wollen, denn sein künstlerisches
Interesse ist mit Sicherheit nicht allein auf Musik
fixiert. Das verrät bereits ein Blick auf seine
geschmackvoll gestaltete Web-Site (www.saulstokes.com),
die deutlich eine Wesensverwandtschaft zur asiatischen
Kultur und speziell zum japanisch beeinflußten Design
erkennen läßt. Bis hin zu den stilvoll produzierten
Holzboxen seiner stark limitierten Alben „Edge Of The
Forest“ und „A Selection Of Live-Music“ läßt
sich Stokes´ Vorliebe für erlesene Einfachheit und
subtile Sinnlichkeit verfolgen, von der natürlich auch
seine Musik nicht unbeeinflußt bleibt. Bildlich
dargestellt, bearbeitet Stokes seine Ambient-Entwürfe
wie ein japanischer Gartenarchitekt. Alles wirkt wie zufällig
plaziert, doch unterliegen die Details einer genau
durchdachten Anordnung, stehen in Abhängigkeit
zueinander und ergeben gesamtheitlich ein ausgewogenes
Ganzes. Eine Hör-Inszenierung mit unaufdringlichem
Nippon-Einschlag, die von ihm durch eine entsprechend
gewählte Klangsprache (mit selbstgebauten
Synthesizern!) konsequent gemeistert wurde.
Entscheidend dabei ist, dass Stokes mit diffizil
eingeflochtenen Rhythmustexturen arbeitet, wodurch er
eine Ausnahmeposition bei Hypnos einnimmt. Umfassend
betrachtet ist es daher auch nicht weiter überraschend,
dass man in seiner Handschrift Stilmerkmale von
Interpreten wie Patrick O´Hearn oder Mitgliedern des
Yellow Magic Orchster wiederzuerkennen glaubt.
Vermutlich ist Stokes jedoch nicht bewußt von diesen
Musikern beeinflußt, denn seine feingliedrig
ausgefeilte Rhytmik ist weniger als Mittel für das zu
verstehen, was gemeinhin als Musik definiert wird,
sondern viel mehr als ein Teil des eigentlichen
Klangentwurfes.
„Outfolding“ entfaltet schon in den ersten Sekunden
eine beruhigende Wirkung und animiert zur Entspannung.
Die ideenreich und doch unaufdringlich komponierten Rhythmuselemente
werden immer wieder von mächtig herannahenden
Soundfiguren durchdrungen und entwickeln einen
bleibenden Eindruck. Die Musik berührt, hält fest und
läßt nicht mehr los. Nuancenreich und mit Hang zur
Reduktion versteht es Stokes geradezu glänzend durch
einen künstlerisch hochwertigen Klanggarten zu führen
und seine Hörer in den Bann zu ziehen.
Ambient-Kost für Feinschmecker; elegant, einladend und
exklusiv, was dieses Werk insbesondere auch für
diejenigen schmackhaft machen dürfte, die mit abstrakt
musikalischen Stimmungsentwürfen bisher nur wenig oder
gar nicht in Berührung gekommen sind. Stephan Behn
(28.08.2001)
Tracklist:
Hurried Space (09.49)
Greys (04.47)
Somewhere Current (07.07)
The Far Edge Of Suburban Station (06.55)
Below (10.12)
Cloud Shaping (05.24)
Conundrum (04.57)
Quiet Antenna (08.17)
Thick Streets (06.15) |