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Es
vergeht ja kaum ein Quartal, in dem nicht eine neue CD
von Steve Roach erscheint. Entweder solo oder in
Zusammenarbeit mit anderen Musikern, ist er mit Abstand
einer der produktivsten Künstler der Musikszene überhaupt,
aber auch einer der Minimalistischsten.
Hier nun die mit Vidna Obmana gemeinsam eingespielte, 3
CD umfassende Produktion „Ascension Of Shadows“.
Satte 211 Minuten lang, beweist dieses Werk einmal mehr,
dass Quantität und Qualität sich nicht immer
proportional zueinander verhalten müssen.
Wer die Stücke von der ersten bis zur letzten Minute
geniessen will, muß viel Zeit investieren, denn Titel
von 70 Minuten Länge sind für Produktionen aus dem
Hause Roach ja mitlerweile keine Seltenheit mehr (vergl.
auch die CDs „The
Dream Circle“ oder „Slow Heat“).
Nach „Well Of Souls“ und „Cavern Of Sirens“ ist
das vorliegende Werk bereits die dritte Veröffentlichung
in Kooperation mit Vidna Obmana; und hierin liegt
eigentlich genau das Manko dieser ganz in Schwarz
gehaltenen 3er-Box mit dem tiefsinnigen Untertitel
„Meditation for The Millenium“, wobei
„Meditation“ treffender mit
„anspruchsvoller Langeweile“ zu übersetzen wäre.
Roach und Obmana haben sich im Laufe der letzten Jahre
in ihrem sehr eigenen Stil mittlerweile so sehr
angeglichen, dass sie sich musikalisch aneinander kaum
noch etwas zu sagen haben.
Ob nun Roach und Obmana im Duett oder jeweils solo,
unterm Strich unterscheiden sich ihre gemeinsam
eingespielten Alben kaum von denen ihrer Soloprojekte.
Sämtliche Stücke wurden wieder einmal nach bekanntem
Muster arrangiert: Wie so oft bei Roach und Obmana,
vergehen zunächst 1 bis 2 Minuten, bis nach anfänglich
sehr leisem Beginn das volle Volumen erreicht ist, und
sich beim Hörer langsam der Eindruck verflüchtet, die
Lautstärke nachregulieren zu müssen. Nach ca. 5
Minuten ist der Aufbau abgeschlossen und der
instrumentale Einsatz festgelegt. In forlaufenden
Schlaufen wird dann bis zum Schluss das immer
wiederkehrende Thema geringfügig variiert. Natürlich
klingen ihre raumgreifenden gotischen Kompositionen mit
sanftem Ethno-Einschlag gewohnt makellos und werden dem
Hörer wie immer in perfekter Aufnahmequalität präsentiert;
bleibt jedoch die Frage, ob ein Musikstück ohne Höhen
und Tiefen, ohne Abwechslung und vorhersehbar bis zur
letzten Note, eine Länge von mehr als einer Stunde
verkraftet. Warum erfolgt die Ausblendung nicht bereits
nach 15, 20 oder maximal 30 Minuten, so wie bei den
etwas rhytmischer angelegten Stücken „Memory Pool
Part I, II und III“? Oder überspitzt in die andere
Richtung gefragt; wären bei höherer Speicherkapazität
einer CD die Aufnahmen auf 100 oder 150 Minuten
ausgedehnt worden? Auf diese Fragen gibt es sicher
Antworten und Gegenantworten, zumindest bin ich der
Ansicht, dass das dreieinhalbstündige Material auf „Ascension
Of Shadows“ ohne Qualitätsverlust auch auf den Umfang
einer CD hätte reduziert werden können.
Stilistisch könnte man die Musik von Roach & Obmana
in die „Ambiente Serie“ Brian Eno´s einreihen, die
er in loser Folge Ende der Siebziger / Anfang der
Achtziger veröffentlicht hat.
Musik jedoch hier nicht mehr nur als berieselnder
Tagesbegleiter, sondern vielmehr zur Unterstützung der
räumliche Wahrnehmung; Die akustische Untermalung zu
einem visuellen Erlebnis.
Mit seinen 5 Titeln stelle ich mir „Ascension Of
Shadows“ als raumbegleitende Klanginstallation in
einem unwirklichen, überdimensionalen Baukörper mit 5
hallenartigen Räumen vor. Die Länge eines Titels wird
jeweils benötigt, um in diesem imaginären Gebäude die
5 sehr unterschiedlichen und individuell
gestalteten Räume zu durchschreiten und intensiv wahrnehmbar
werden zu lassen. Die musikalische Kulisse für ein
gewaltiges, räumliches Event. Space-Musik eben.
Demjenigen, der mit dem umfangreichen Werk von Steve
Roach nicht weiter vertraut ist, möchte ich am Ende
noch einige CD´s ganz besonders ans Herz legen:
Zunächst einige Alben, die beweisen, das Roach im
Zusammenspiel mit anderen Musikern keine Gleichstellung
sucht, sondern deren Einflüsse gekonnt und mit
kreativem Feingefühl in seinen schwebenden Klangteppich
einfließen lässt.
Zum Einen, die unter dem Projekt „Suspended
Memories“ eingespielten Produktionen „Forgotton Gods“
und „Earth Island“ mit Jorge Reyes (fl, perc) und
Suso Saiz (g), dann die mit Robert Rich aufgenommenen
Alben „Strata“ und „Soma“ und ganz wichtig, die
im letzten Jahr erschienene CD „Dust To Dust“ mit
dem Gitarristen Roger King (u.a. auch Produzent von „Ascension
Of Shadows“), auf der die beiden Musiker auf
bemerkenswerte Weise die unterschiedlichen Stimmungen
einer weiten und unwirtlichen Prärielandschaft,
irgendwo im Südwesten Amerikas, musikalisch umsetzen.
Von den herausragenden Soloarbeiten möchte ich
insbesondere „The Lost Pieces“ (ein gelungener Überblick
für Roach-Einsteiger), „On This Planet“ und ganz
besonders das erstklassige „The Magnificent Void“
empfehlen.
„The Magnificent Void“ besteht aus mehreren
spacelastigen Titeln, die fließend ineinander übergehen,
wodurch die gesamte Aufnahme wie aus einem Guss
erscheint. Eine CD, auf der Roach beweist, dass auch
schwerelose Sounds genügend Abwechslung und Spannung
bieten können. Ein Glanzlicht der kosmischen
Elektronik, unendlich und überwältigend, und nicht
endlos und ermüdend wie „Ascension Of Shadows“.
Stephan Behn (05.02.1999)
Tracklist:
CD1:
Somewhere Else (71.20)
CD2:
The Memory Pool 1 (18.35)
The Memory Pool 2 (23.02)
The Memory Pool 3 (25.23)
CD3:
Revealing
The Secret (72.37) |