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Steve Roach & Vidna Obmana: Ascension Of Shadows

Stilrichtung: Ambient

Soundquest Music 1998

Musiker: Steve Roach u. Vidna Obmana (electronics)

Es vergeht ja kaum ein Quartal, in dem nicht eine neue CD von Steve Roach erscheint. Entweder solo oder in Zusammenarbeit mit anderen Musikern, ist er mit Abstand einer der produktivsten Künstler der Musikszene überhaupt, aber auch einer der Minimalistischsten.
Hier nun die mit Vidna Obmana gemeinsam eingespielte, 3 CD umfassende Produktion „Ascension Of Shadows“.
Satte 211 Minuten lang, beweist dieses Werk einmal mehr, dass Quantität und Qualität sich nicht immer proportional zueinander verhalten müssen.
Wer die Stücke von der ersten bis zur letzten Minute geniessen will, muß viel Zeit investieren, denn Titel von 70 Minuten Länge sind für Produktionen aus dem Hause Roach ja mitlerweile keine Seltenheit mehr (vergl. auch die CDs  „The Dream Circle“ oder „Slow Heat“).
Nach „Well Of Souls“ und „Cavern Of Sirens“ ist das vorliegende Werk bereits die dritte Veröffentlichung in Kooperation mit Vidna Obmana; und hierin liegt eigentlich genau das Manko dieser ganz in Schwarz gehaltenen 3er-Box mit dem tiefsinnigen Untertitel „Meditation for The Millenium“, wobei  „Meditation“ treffender mit „anspruchsvoller Langeweile“ zu übersetzen wäre.
Roach und Obmana haben sich im Laufe der letzten Jahre in ihrem sehr eigenen Stil mittlerweile so sehr angeglichen, dass sie sich musikalisch aneinander kaum noch etwas zu sagen haben.
Ob nun Roach und Obmana im Duett oder jeweils solo, unterm Strich unterscheiden sich ihre gemeinsam eingespielten Alben kaum von denen ihrer Soloprojekte.
Sämtliche Stücke wurden wieder einmal nach bekanntem Muster arrangiert: Wie so oft bei Roach und Obmana, vergehen zunächst 1 bis 2 Minuten, bis nach anfänglich sehr leisem Beginn das volle Volumen erreicht ist, und sich beim Hörer langsam der Eindruck verflüchtet, die Lautstärke nachregulieren zu müssen. Nach ca. 5 Minuten ist der Aufbau abgeschlossen und der instrumentale Einsatz festgelegt. In forlaufenden Schlaufen wird dann bis zum Schluss das immer wiederkehrende Thema geringfügig variiert. Natürlich klingen ihre raumgreifenden gotischen Kompositionen mit sanftem Ethno-Einschlag gewohnt makellos und werden dem Hörer wie immer in perfekter Aufnahmequalität präsentiert; bleibt jedoch die Frage, ob ein Musikstück ohne Höhen und Tiefen, ohne Abwechslung und vorhersehbar bis zur letzten Note, eine Länge von mehr als einer Stunde verkraftet. Warum erfolgt die Ausblendung nicht bereits nach 15, 20 oder maximal 30 Minuten, so wie bei den etwas rhytmischer angelegten Stücken „Memory Pool Part I, II und III“? Oder überspitzt in die andere Richtung gefragt; wären bei höherer Speicherkapazität einer CD die Aufnahmen auf 100 oder 150 Minuten ausgedehnt worden? Auf diese Fragen gibt es sicher Antworten und Gegenantworten, zumindest bin ich der Ansicht, dass das dreieinhalbstündige Material auf „Ascension Of Shadows“ ohne Qualitätsverlust auch auf den Umfang einer CD hätte reduziert werden können.
Stilistisch könnte man die Musik von Roach & Obmana in die „Ambiente Serie“ Brian Eno´s einreihen, die er in loser Folge Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger veröffentlicht hat.
Musik jedoch hier nicht mehr nur als berieselnder Tagesbegleiter, sondern vielmehr zur Unterstützung der räumliche Wahrnehmung; Die akustische Untermalung zu einem visuellen Erlebnis.
Mit seinen 5 Titeln stelle ich mir „Ascension Of Shadows“ als raumbegleitende Klanginstallation in einem unwirklichen, überdimensionalen Baukörper mit 5 hallenartigen Räumen vor. Die Länge eines Titels wird jeweils benötigt, um in diesem imaginären Gebäude die  5 sehr unterschiedlichen und individuell gestalteten Räume zu durchschreiten und intensiv wahrnehmbar werden zu lassen. Die musikalische Kulisse für ein gewaltiges, räumliches Event. Space-Musik eben.
Demjenigen, der mit dem umfangreichen Werk von Steve Roach nicht weiter vertraut ist, möchte ich am Ende noch einige CD´s ganz besonders ans Herz legen:
Zunächst einige Alben, die beweisen, das Roach im Zusammenspiel mit anderen Musikern keine Gleichstellung sucht, sondern deren Einflüsse gekonnt und mit kreativem Feingefühl in seinen schwebenden Klangteppich einfließen lässt.
Zum Einen, die unter dem Projekt „Suspended Memories“ eingespielten Produktionen „Forgotton Gods“ und „Earth Island“ mit Jorge Reyes (fl, perc) und Suso Saiz (g), dann die mit Robert Rich aufgenommenen Alben „Strata“ und „Soma“ und ganz wichtig, die im letzten Jahr erschienene CD „Dust To Dust“ mit dem Gitarristen Roger King (u.a. auch Produzent von „Ascension Of Shadows“), auf der die beiden Musiker auf bemerkenswerte Weise die unterschiedlichen Stimmungen einer weiten und unwirtlichen Prärielandschaft, irgendwo im Südwesten Amerikas, musikalisch umsetzen.
Von den herausragenden Soloarbeiten möchte ich insbesondere „The Lost Pieces“ (ein gelungener Überblick für Roach-Einsteiger), „On This Planet“ und ganz besonders das erstklassige „The Magnificent Void“ empfehlen.
„The Magnificent Void“ besteht aus mehreren spacelastigen Titeln, die fließend ineinander übergehen, wodurch die gesamte Aufnahme wie aus einem Guss erscheint. Eine CD, auf der Roach beweist, dass auch schwerelose Sounds genügend Abwechslung und Spannung bieten können. Ein Glanzlicht der kosmischen Elektronik, unendlich und überwältigend, und nicht endlos und ermüdend wie „Ascension Of Shadows“. Stephan Behn (05.02.1999)

Tracklist:

CD1:

Somewhere Else (71.20)

CD2:

The Memory Pool 1 (18.35)
The Memory Pool 2 (23.02)
The Memory Pool 3 (25.23)

CD3:

Revealing The Secret (72.37)

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