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Vidna Obmana: Soundtrack For The Aquarium

Stilrichtung: Ambient

Hypnos, UPC 75390-71262-28 (2001)

Musiker: Vidna Obmana (electronics)

Wie schon der Titel unmißverständlich ausdrückt, handelt es sich bei diesem Doppelalbum von Vidna Obmana um die wohl bislang konsequenteste Umsetzung des Themas Wasser in eine akustisch inszenierte Erlebniswelt. Ursprünglich als anregende Hintergrundbeschallung für das Aquarium des Antwerpener Tierparks konzipiert, wurde das entsprechende Konzert im November ´92 mitgeschnitten und nun, nachdem die Aufnahme im letzten Jahr von Obmana noch einmal überarbeitet wurde, auf CD 1 dieser Ausgabe veröffentlicht. Auf CD Nr. 2 ist die Variante des Aquarium-Soundtracks zu hören, die Obmana im Juni 1993 dann noch einmal vor einem Hamburger Publikum präsentiert hat.
Ein Aquarium wie das eines großen Zoos, zeigt das Leben unter Wasser annähernd wie es wirklich ist. Obmana´s Ziel war es, das hört man den Aufnahmen deutlich an, die unterschiedlichen Stimmungen dieser faszinierenden, für uns Menschen stets ein wenig befremdlich und undurchschaubar wirkenden Unterwasserwelt auf kunstvolle Weise hörbar nachzuzeichnen bzw. die visuell wahrgenommenen Eindrücke mit einer sorgfältig abgestimmten Klangkulisse zu intensivieren.
Seine ausladenden Klangmalereien besitzen eine kühle Schwere und sind von metallischem Glanz umgeben. Sie vermitteln tiefe Abgeschiedenheit und erwecken das Gefühl sich wirklich unter Wasser zu befinden. Unentdeckte Meeresräume in verschwommener Transparenz, die mit sparsam eingesetzten Sound-Arrangements vor dem geistigen Auge lebendig werden. Vereinzelt aufsteigende Blasen, gedämpfte Laute, sanft hin- und herwiegende Fauna, bizarre Landschaften, undurchsichtige Wolken von Plankton, glitzernde Fischschwärme, die wie auf Kommando blitzschnell ihre Richtung wechseln oder andere, eher gemächlich dahingleitende Meeresbewohner - Obmana gelingt es vortrefflich diesen vielseitigen Lebensraum mit nur wenigen, unaufdringlichen aber effektvollen Mitteln akustisch darzustellen ohne in esoterisches Softgedudel zu versinken.
Das auf der 2. CD festgehaltene Hamburger Konzert ist kein platter Aufguß der Antwerpener Variante, sondern wurde aus gutem Grund diesem Werk ergänzend beigefügt. Obwohl als ein einziges Stück betitelt, so besteht die Aufnahme doch eigentlich aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte richtet der Hörer aus schützender Tiefe seinen Blick hinauf zur Wasseroberfläche. Weitschweifig prickelnde, in gleichmäßigen Intervallen herannahende und wieder davonziehende Soundschwaden beschreiben eine lautlos anrollende Brandung, die in bedrohlicher Mächtigkeit über einen hinwegfegt, um dann in gleicher Weise in der 2. Hälfte von volumenbetonteren Klangmustern abgelöst zu werden, die dem Gesamtwerk einen kolossalen Abschluß geben (vergl. hierzu auch den 20-minütigen Schlußteil von Steve Roach´s „Magnificent Void“).
Vidna Obmana hat gut daran getan sich einmal wieder auf seine weniger ethnisch beeinflußte Phase Anfang der Neunziger zu besinnen. Sein Feingefühl in der niveauvollen Auseinandersetzung mit bestimmten Themen und Situationen sollte ihn dazu bewegen auf diesem Gebiet weiterzuarbeiten. Trotz 8-jähriger Verspätung ist „Soundtrack For The Aquarium“ im Schaffen von Vidna Obmana jedenfalls nicht als Rückschritt zu bewerten, sondern ist vielleicht der erste Schritt in eine Richtung, die seiner weiteren Entwicklung mit Sicherheit gut tun würde.
Stephan Behn (15.08.2001)

Tracklist:

CD1:
Aqua 1 (Theme) (07.07)
Aqua 2a (19.30)
Aqua 3 (08.15)
Aqua 4 (12.00)
Aqua 2b (14.50)
Aqua 5 (07.30)
Aqua 6 (Theme) (02.30)

CD2:
Soundtrack For The Aquarium, Live In Germany (44.15)

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