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FRAGMENTUMs MUSIK-SPECIAL

Elektronik – Neue Wege und Möglichkeiten in der Musik

Die Erzeugung elektronischer Klänge lässt sich bis in die 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts zurückverfolgen, doch der erste richtige Synthesizer wurde 1964 von dem amerikanischen Physiker Robert Moog entwickelt (Moog-Synthesizer).
Zunächst war der Synthesizer nicht viel mehr als ein außergewöhnlich neues Instrument, dass einige Musiker (u.a. die Beatles und Joe Zawinul) dazu verleitete, sich auf experimentellem Terrain zu bewegen und die eigene Musik mit der neu gefundenen Klangvielfalt zu bereichern.
Mitte der 70er Jahre reifte dann aber eine musikalische Gattung heran, die gemeinhin als Elektronische Musik bezeichnet wurde und deren Weg vornehmlich von Interpreten wie Tangerine Dream, Klaus Schulze oder Ashra geebnet wurde. Diese Musiker stammen ausschließlich aus Berlin, weshalb ihr Stil auch später einmal den Begriff der Berliner Schule prägen sollte. Andere Künstler wie Jean Michel Jarre, Vangelis oder Kraftwerk arbeiteten ebenfalls schwerpunktmäßig mit elektronischem Equipment und spannten den Bogen zwischen einem neuartigen, teils eigenwilligen Musikverständnis und konventionellen Hörgewohnheiten.
Umgekehrt entstanden auf der verkaufsträchtigen Ebene immer speziellere Sparten, in denen elektronisches Instrumentarium als Grundgerüst eingesetzt wurde. Disco, Neue Deutsche Welle, Synthie-Pop und später dann Techno bedienten sich dabei immer wieder der synthetischen Strukturen, die von o.g. Elektronik-Pionieren bereits etliche Jahre zuvor entwickelt wurden.
Die eigentliche Elektronische Musik blieb von diesen Strömungen jedoch weitgehend unberührt und durchlebte im Laufe der Jahrzehnte, insbesondere mit Erfindung der Digital-Technik, immer wieder neue Innovationsschübe. Dabei hat sich seit Anfang der 90er Jahre das Spektrum an unterschiedlichen Stilen besonders breit aufgefächert. Von der traditionellen Berliner Schule, über Elektronik mit gemäßigten Einflüssen aus Rock und Pop, bis hin zu New Age, Chill Out und Ambient werden mittlerweile annähernd alle Geschmäcker bedient.
Dennoch mutierte die Elektronik nicht zur Breitenmusik und konnte bis auf eine Handvoll namhafter Künstler nie höhere Verkaufszahlen verbuchen. Doch unbeirrt hiervon beschäftigen sich zunehmend mehr Musiker mit den schier unerschöpflichen Möglichkeiten in diesem Metier und erforschen immer entlegendere Gebiete des klanglich sowie musikalisch Machbaren. Nicht wenige von ihnen haben schon eine Vielzahl von CDs veröffentlicht, die aber größtenteils nur im Spezialvertrieb (siehe untenstehende Internet-Adressen) erhältlich sind.
Bevor aber in den nachfolgenden Kritiken auf diese zum Teil ausgesprochen innovativen und hörenswerten Werke näher eingegangen werden soll, noch ein paar Kurzdefinitionen zu den wichtigsten Stilrichtungen, wobei diese Strömungen in der individuellen Ausdrucksweise der einzelnen Interpreten oftmals durchmischt werden.

Berliner Schule
In der Regel längere Stücke mit einem ausladenden Sequenzerteil (sich wiederholende rhythmitisierte Klangfiguren), eingerahmt von stimmungsvollen Soundcollagen. Stil, der in den 70er Jahren insbesondere von Tangerine Dream und Klaus Schulze kreiert wurde.

Ambient
Klangentwürfe zur Erzeugung eines stimmungsvollen Raumgefühls. Vielfach sehr lang und ohne rhythmische Strukturen. Als atmosphärische Untermalung beim Lesen sehr gut geeignet (siehe hierzu auch einen Bericht zum Hypnos-Label).

Dark oder Deep Ambient
wie vor, jedoch in sehr tiefen und dunklen Klangfarben gehalten. Zum Teil sehr düstere Stimmungsbilder

New Age
Meditationslastige Entspannungsmusik, teils in Verbindung mit esoterischem Gedankengut. Sehr weiche und zarte Klangfarben, vielfach mit Hang zum Kitsch.

Chill Out
Lässig lockere, teils schleppend langsame Rhythmik in Verbindung mit Einflüssen aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen, insbesondere aber aus den Bereichen Ambient, Jazz, House und Black Music.

Groove
Ausgerundete, weich federnde Rhythmik aus dem Midtempo-Bereich von Soul und Funk. Findet häufig Verwendung im Chill Out-Bereich.

Stephan Behn (07.11.2002)


Internet-Adressen von CD-Anbietern

www.cue-records.de


www.groove.nl

www.synthmusicdirect.com

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