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Alessandro
Baricco
"Seide"
Der Audio Verlag Berlin 2004
Sprecher: Jeanette Hain, Martin Feifel, Nikolaus
Paryla u.a.
Bearbeitung und Regie: Jobst Christian Oetzmann
Musik: Dieter Schleip, Produktion:
Südwestrundfunk 2003
Laufzeit: 77 Minuten |
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Mit dem Roman
„Seide“ gelang Alessandro Baricco 1997 nicht nur in
seiner Heimat Italien, sondern auch international der
Durchbruch. Allein in Deutschland fühlten sich 300000
Leser von der Sprachmagie dieses literarischen Kleinodes
angezogen.
Es erstaunt, dass dieser literarische Erfolg erst jetzt
Produzenten und Regisseure für diesen magischen Stoff
begeistern konnte. So arbeitet Jon Madden („Shakespeare
in Love“) zur Zeit an der filmischen Umsetzung; der
SWR produzierte unter der Regie von Jobst Christian
Oetzmann 2003 ein Hörspiel. Dieses liegt nun im „Audio
Verlag“ als Hörbuch vor und wird hoffentlich genauso
viele Hörer finden wie die literarische Vorlage Leser.
Zu wünschen wäre es der äußerst gelungenen
Produktion jedenfalls, denn die Auswahl der Sprecher und
die stimmungsvollen Kompositionen von Dieter Schleip
ziehen den Hörer in den Bann einer magischen Parabel
auf die Liebe, die in dieser Form ihresgleichen sucht.
Baricco erzählt die Geschichte des französischen
Seidenraupenhändlers Hervé Joncourt, der, weil die
europäischen Bestände der Seidenraupen 1860 von der
Pebrinen-Epidemie zerstört wurden, ins ferne Japan
reist, um dort gesunde Bestände einzukaufen.
Nach wochenlanger und beschwerlicher Reise gelangt
Joncourt an den Hof des Hara Kai. Die notwendigen
Geschäfte sind bald getätigt und Joncourt hätte die
Heimreise antreten können. Doch da trifft er auf eine
rätselhafte Schönheit, deren Blick ihn derart
verzauberte, dass er an nichts anderes mehr denken
konnte.
Jahr für Jahr reist er wieder nach Japan, zum einen, um
neue Seideraupen einzukaufen, zum anderen getrieben von
dem Verlangen, die Unbekannte am Hofe des Hara Kai
wiederzusehen. Wer war diese schöne Frau, die stets
verschleiert, nur ihre Augen zu erkennen gab?
Im heimatlichen Lavilledieu erwartete ihn seine Frau
Hélène, die er innig liebte, stets sehnsüchtig
zurück. Jedoch konnte er die Gedanken an die
geheimnisvolle Frau im fernen Japan nicht verdrängen.
So wuchs von Monat zu Monat seine Sehnsucht und er hatte
Mühe, dies vor seiner Frau zu verbergen. Bald jedoch
konnte er wieder nach Japan aufbrechen, um neue
Seidenraupen einzukaufen. Würde er die Frau mit den
zauberhaften Augen am Hofe des Hara Kai wiedersehen?
Mit vortrefflichen Sprechern wie Martin Feifel und
Nikolaus Paryla besetzt, gerät die Inszenierung von „Seide“
zu einem feingewebten, luftigen Hörkosmos, der den
unnachahmlichen Sprachzauber des Romans treffend
einzufangen versteht.
Wer bereit ist, sich den magischen Klängen des
Hörstücks ganz hinzugeben, dem öffnet sich eine Welt
voller Exotik und Sinnlichkeit. Nicht zuletzt schrieb
Baricco in „Seide“ einen der schönsten
Liebesbriefe, welcher, mit der unverwechselbaren,
angenehmen Stimme Jeanettes Hain vorgetragen, einen
Höhepunkt der akustischen Umsetzung des Romans
darstellt. Torsten Seewitz, 02.02.2004 |
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