Daniel Kehlmann “Die Vermessung der Welt”

KehlmannVermessungDer Erfolg des Autors Daniel Kehlmann entwickelt sich allmählich. Zum Glück, möchte man sagen, denn kein auflagenschwerer Erstling blockierte seinen Aufstieg und setzte die Erwartungen an Folgendes so hoch, dass der Autor daran hätte zerbrechen können.
In aller Ruhe hat Kehlmann in jährlichem Abstand mittlerweile vier Romane, einen Erzählungsband und eine Novelle veröffentlicht. Dies ist um so beachtlicher, bedenkt man sein Alter von gerade einmal 30 Jahren.
Nun, nach einem Wechsel vom Suhrkamp zum Rowohlt Verlag, legt Daniel Kehlmann seinen neuesten Roman mit dem Titel “Die Vermessung der Welt” vor. Er erzählt darin die Geschichte zweier bedeutender deutscher Wissenschafter; die des kauzigen und menschenscheuen Mathematikers Carl Friedrich Gauß und die des besessenen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt. In ihren Lebensentwürfen konnten sie nicht entfernter sein, doch einte sie der Drang, Neuland zu erobern. Weiterlesen

Jakob Arjouni “Idioten”

ArjouniIdiotenFür Max konnte es so nicht weitergehen. Wenn er Ronni, seinem Partner in der Werbefirma, nicht endlich die Meinung sagte, würde die ganze Firma bald vor der Pleite stehen. Aber wie beginnen, wenn man nicht den Mut hat, jemanden die Wahrheit ins Gesicht zu sagen? Viel Zeit blieb ihm nicht mehr, denn gleich würde Ronni das Restaurant betreten, denn sie hatten sich zum Essen verabredet.
Ronni benahm sich in letzter Zeit wirklich unmöglich. Erst gestern hatte er Nina den Urlaub gestrichen und beinahe einen großen Auftrag durch dummes Gerede in den Sand gesetzt. „Das Problem mit Idioten ist es“, denkt Max, „dass sie zu idiotisch sind, um ihre Idiotie einzusehen.“ Und Ronni bildete da keine Ausnahme.
Doch wenn die Not am größten ist, erscheint, wie im Märchen, eine gute Fee und erfüllt einem Wünsche. Weiterlesen

Ian McEwan “Abbitte”

McEwanAbbitte“Briony gehörte zu jenen Kindern, die eigensinnig darauf beharren, dass die Welt genauso und nicht anders zu sein hat.” – mit fatalen Folgen für ihre Mitmenschen, wie Ian McEwan in seinem aktuellen Roman in dieses Mal ungewohnt epischer Breite erzählt. Wie bereits in seinen früheren Büchern, stehen wieder junge Menschen, die sich auf dem beschwerlichen Weg der der Selbstfindung befinden, im Mittelpunkt der Handlung.
Eigentlich hatte Briony geplant, ihr Theaterstück mit dem etwas pathetischen Titel “Die Heimsuchungen Arabellas” am Abend der Ankunft ihres Bruders aufzuführen, doch die Proben verliefen nicht nach Plan. Vielleicht war die unerträgliche Hitze Schuld, dass weder ihre Cousine noch deren kleine Zwillingsbrüder sich an ihre Anweisungen und Zeitabsprachen hielten. Jedenfalls verbrachte Briony viel Zeit mit Warten. Während sie verträumt aus dem Fenster sah, beobachtet sie ihre Schwester Cecilia und den Sohn der Haushälterin, Robbie, wie diese sich am Swimmingpool unterhielten und, für sie nicht verständlich, sich wild gestikulierend um eine wertvolle Vase stritten. Am Abend dann überraschte sie beide in der Bibliothek, wie sie sich eng umschlungen ihrer Leidenschaft hingaben. Als dann in der Nacht auch noch die Zwillinge verschwanden und in einer groß angelegten Aktion gesucht werden mussten, schien sich die knisternde Spannung, die in der Luft lag, zu entladen. Weiterlesen

Michael Cunningham “Die Stunden”

CunninghamStundenEin Angler in einer roten Jacke und ein trüber, bewölkter Himmel sollten die letzten Wahrnehmungen in ihrem Leben sein. Sie stürzt sich in die Fluten des Flusses, wird von seiner Strömung davongetragen. Schwerelos treibt sie im trüben Wasser, scheint zu fliegen. Sie ertrinkt.
So stellt sich Michael Cunningham den Freitod Virginia Woolfs vor; die letzten Minuten einer wundervollen Schriftstellerin, die das Leben, als der Wahnsinn Besitz von ihr ergriff, nicht mehr ertrug.
Mit „Die Stunden” hat der Luchterhand Verlag einen mehrfach preisgekrönten (Pulitzerpreis, PEN/Faulkner-Award) Roman des amerikanischen Autors Michael Cunningham verlegt, der den Leser auf wunderbar poetische Weise in die Lebenswelten von drei Frauen entführt, die jede auf ihre Weise mit Mrs. Dalloway, der Protagonistin aus Virginia Woolfs gleichnamigen Roman, verbunden sind. Weiterlesen

J.M.Coetzee “Schande”

SchandeWenn Lebensbahnen ihre gewohnte und vertraute Spur verlassen, suchen wir Antworten auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Wir fragen nach dem Wohin, blicken hilflos um uns und greifen nach dem Strohhalm, der Rettung verspricht. Alle Kräfte sammelnd, unternehmen wir den Versuch unser Leben durch einen, meist paradox erscheinenden, Akt der Selbstbestätigung wieder in den Griff zu bekommen.
J.M. Coetzee zeichnet in seinem aktuellen Roman „Schande”, für den er 1999 den Booker-Prize erhielt, den Lebensweg des 52jährigen Universitätsprofessors Richard Lurie nach, der nach zwei gescheiterten Ehen und zunehmender beruflicher wie privater Unzufriedenheit versucht, in einem letzten Akt der Selbstbestätigung, seinem Leben zu neuem Sinn zu verhelfen. Weiterlesen