Anna Gavalda “Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet”

GavaldaIchEigentlich begann an diesem 29. September 1997 alles so wie immer. Der Erzähler der Geschichte “Die Meldung des Tages”, Vertreter einer Fleischerei, ist auf der Autobahn unterwegs zu Kunden. Es herrschte dichter Nebel und in Gedanken versunken hätte er beinahe die Ausfahrt verpasst. Nur wenig später erreichte ihn ein Anruf seiner besorgten Frau, die sich vergewissern wollte, dass ihm bei der Massenkarambolage auf A 13, seiner Fahrstrecke, auch nichts passiert sei. Von einem Unfall habe er nichts mitbekommen, erwiderte er beruhigend.
Erst in den Abendnachrichten verfolgte er gebannt die Berichte, die Bilder von demolierten Autos und zahlreichen Toten zeigten. Ein Verdacht regte sich in ihm, den er jedoch selbst beschwichtigend verdrängte. Erst als ein Lkw-Fahrer von einem Autofahrer erzählte, der auf der Autobahn rückwärts fuhr, um die verpasste Abfahrt zu erreichen, wurde seine bangen Vermutungen Gewissheit. Er war der Geisterfahrer. Weiterlesen

Michael Cunningham “Die Stunden”

CunninghamStundenEin Angler in einer roten Jacke und ein trüber, bewölkter Himmel sollten die letzten Wahrnehmungen in ihrem Leben sein. Sie stürzt sich in die Fluten des Flusses, wird von seiner Strömung davongetragen. Schwerelos treibt sie im trüben Wasser, scheint zu fliegen. Sie ertrinkt.
So stellt sich Michael Cunningham den Freitod Virginia Woolfs vor; die letzten Minuten einer wundervollen Schriftstellerin, die das Leben, als der Wahnsinn Besitz von ihr ergriff, nicht mehr ertrug.
Mit „Die Stunden” hat der Luchterhand Verlag einen mehrfach preisgekrönten (Pulitzerpreis, PEN/Faulkner-Award) Roman des amerikanischen Autors Michael Cunningham verlegt, der den Leser auf wunderbar poetische Weise in die Lebenswelten von drei Frauen entführt, die jede auf ihre Weise mit Mrs. Dalloway, der Protagonistin aus Virginia Woolfs gleichnamigen Roman, verbunden sind. Weiterlesen

J.M.Coetzee “Schande”

SchandeWenn Lebensbahnen ihre gewohnte und vertraute Spur verlassen, suchen wir Antworten auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Wir fragen nach dem Wohin, blicken hilflos um uns und greifen nach dem Strohhalm, der Rettung verspricht. Alle Kräfte sammelnd, unternehmen wir den Versuch unser Leben durch einen, meist paradox erscheinenden, Akt der Selbstbestätigung wieder in den Griff zu bekommen.
J.M. Coetzee zeichnet in seinem aktuellen Roman „Schande”, für den er 1999 den Booker-Prize erhielt, den Lebensweg des 52jährigen Universitätsprofessors Richard Lurie nach, der nach zwei gescheiterten Ehen und zunehmender beruflicher wie privater Unzufriedenheit versucht, in einem letzten Akt der Selbstbestätigung, seinem Leben zu neuem Sinn zu verhelfen. Weiterlesen